Zweite Front

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    von Stalin schon 1941 bei den Westmächten angemahnte Invasion des europäischen Kontinents. Eine Zweite Front wurde von Churchill und Roosevelt auch immer wieder, u.a. auf der Casablancakonferenz, zugesagt, doch konnten sie sich zunächst nicht zu einer direkten Konfrontation mit der Wehrmacht "vor der deutschen Tür" entschließen, weil dazu noch die Kräfte fehlten. Das Desaster beim Raid gegen Dieppe im August 42 diente v.a. Churchill als Beweis für das zu hohe Risiko einer Direktlandung in Frankreich und für die Schlüssigkeit seiner Strategie der Peripherie, die auf den "weichen Bauch Europas" von Süden her zielte. Er konnte daher gegenüber den Amerikanern die Landung "Torch" in Nordafrika durchsetzen, die den Afrikafeldzug endgültig entschied und seine 8. Armee (Montgomery) für weiteres Vorgehen freimachte. Das zielte nun auf Sizilien und das italienische Festland, wo eine Zweite Front wegen der Kriegsmüdigkeit des deutschen Verbündeten besonders vielversprechend schien. Von Stalin aber wurde dies richtig als Ausweichmanöver und als Versuch eingeschätzt, einem eventuellen Vormarsch der Roten Armee in Südosteuropa zuvorzukommen und ihren Griff nach Mitteleuropa zu vereiteln. Die Spannungen im alliierten Lager verschärften sich durch das Zweite-Front-Problem bedrohlich, sodass in Teheran Ende 43 endgültig die Entscheidung für eine Invasion in Nordfrankreich fiel, die sich freilich noch mehrfach verzögerte. Erst am 6.6.44 stand eine vorerst noch schwache Zweite Front in der Normandie und signalisierte endgültig die Niederlage des 3. Reichs.