Zufuhrkrieg

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    (Handelskrieg), Bekämpfung feindlicher Warentransporte zur See, im engeren Sinne die Gesamtheit der militärischen Maßnahmen von deutscher Kriegsmarine und Luftwaffe zur Störung oder gar Unterbrechung des Seenachschubs für Großbritannien.

    Nach den schmerzlichen eigenen Erfahrungen im 1. Weltkrieg mit der britischen Blockade wurde auf deutscher Seite die noch größere Abhängigkeit Englands von seinen überseeischen Schifffahrtslinien erkannt und seit 1938, als ein militärischer Konflikt mit der größten Seemacht nicht mehr auszuschließen war, verstärkt bei der Seerüstung berücksichtigt. Dabei setzte sich zunächst die Haltung des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine durch, der den Schwerpunkt auf den Ausbau der schweren Überwasserstreitkräfte legte. Da aber der Krieg wesentlich schneller kam, als es Hitler Raeder gegenüber prognostiziert hatte (1943), mussten neue Prioritäten gesetzt werden: Nur die U-Boot-Waffe konnte in dieser Lage einigermaßen rasch ausgebaut werden und mit Aussicht auf Erfolg in die Atlantikschlacht gehen.

    Fast der gesamte britische Nachschub nämlich musste über die Atlantikrouten, die so genannten "Western Approaches", abgewickelt werden, sodass die Nebenmeere wie Mittelmeer, Ärmelkanal, Nordsee, Nordpolarmeer u.a. im Zufuhrkrieg nur Nebenkriegsschauplätze bildeten. V.a. dort konnte die Luftwaffe einen großen Teil der Last des Kampfs tragen, während im Fernbereich die Kriegsmarine fast gänzlich auf sich allein gestellt war. Ihre schweren Einheiten waren dabei zahlenmäßig der Royal Navy hoffnungslos unterlegen, sodass sie sich auf Einzeloperationen beschränken mussten, die immerhin ein Vielfaches an gegnerischen Kräften banden.

    Mit Verlust der Admiral Graf Spee und schließlich der Bismarck schwanden die Chancen weiter und so brach die Seekriegsleitung schließlich mit dem Kanaldurchbruch im Februar 42 den Zufuhrkrieg mit Großkampfschiffen ab. Über Wasser beteiligten sich daran nur noch die Hilfskreuzer, freilich ohne entscheidende Wirkung, die zudem nach Ausfällen rasch sank. Dagegen erreichte die U-Boot-Waffe 1941/42 ihre größte Wirksamkeit und rückte durch rapide ansteigende Versenkungszahlen einen Sieg im Zufuhrkrieg in greifbare Nähe.

    An diesen Erfolgen wuchs allerdings auch der Gegner, dessen Geleitzugsysteme, Peilüberwachung, Wasserbomben- und Trägereinsatz immer perfekter wurden. Als mit Einführung des Radars und durch die Entschlüsselung des deutschen U-Boot-Funkverkehrs seit Januar 43 eine sinnvolle Fortsetzung der Rudeltaktik nahezu unmöglich wurde, musste der Zufuhrkrieg auch unter Wasser weitgehend eingestellt werden. Er war damit insgesamt verloren und beschränkte sich in den letzten beiden Kriegsjahren zunehmend auf Minenunternehmen und Luftangriffe im Nahbereich, die den angloamerikanischen Nachschub nicht mehr ernsthaft zu gefährden vermochten.