Zeithain

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Gemeinde im Regierungsbezirk Dresden-Bautzen mit knapp 3000 Einwohnern (1940), seit Sommer 41 Standort des Stalag 304 (IV H) für sowjetische Kriegsgefangene. Nach Beginn des Russlandfeldzugs begann ein Arbeitsbataillon aus französischen Gefangenen am Rand des Truppenübungsplatzes von Zeithain mit dem Aufbau von Baracken, doch reichten die fertig gestellten wegen des starken Zustroms von gefangenen Rotarmisten nicht aus, sodass Tausende auf freiem Feld liegen mussten.

    Das Stalag Zeithain war zunächst Auffanglager, wo die Gefangenen im so genannten Vorlager entlaust, registriert, verhört und bis zur Weiterleitung in ein Stammlager im Hauptlager untergebracht wurden. Die Lebensverhältnisse waren katastrophal. Viele Gefangene starben an Unterernährung, eine Fleckfieberepidemie forderte seit Oktober 41 mindestens 10 000 Opfer und kostete auch bis zu 25% des deutschen Lagerpersonals das Leben (Sollstärke 203 Mann). Die toten Russen ließen sich wegen des starken Frostes seit Dezember 41 nicht mehr beerdigen, sie wurden mit Loren in einen nahen Wald geschafft, dort abgelegt und erst nach Abklingen der Kälte in Massengräbern beigesetzt. Auch in Zeithain kam es zur Aussonderung von "politisch unerwünschten" Gefangenen durch die Stapo Dresden, die die Betroffenen in Konzentrationslager zur Tötung überstellte. Insgesamt wurden etwa 120 000 Rotarmisten in das Lager Zeithain eingeliefert, 30 000 starben an Seuchen und Hunger.

    Im September 42 wurde das Stalag nach Löwen (Belgien) verlegt. Zeithain war danach Standort eines Zweiglagers des Stalag IV B Mühlberg/Elbe.