Wlassow-Armee

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Bezeichnung für die auf deutscher Seite kämpfende "russische Befreiungsarmee" (russisch Russkaja Oswobodennaja Armija, ROA) des ehemaligen sowjetischen Generalleutnants Wlassow, die lange geplant war, aber erst nach der katastrophalen Lageentwicklung an den Fronten Mitte 44 ins Realisierungsstadium trat. Fernziel war ein Großverband aus 10 Grenadierdivisionen und einem Panzerverband mit eigenen Luftstreitkräften, gebildet aus sowjetischen Kriegsgefangenen und Hilfswilligen. Die Aufstellung der ersten Division, 600. Infanteriedivision (russisch), begann am 10.11.44, eine zweite, 650. Infanteriedivision (russisch), wurde seit 17.1.45 aufgestellt, außerdem entstanden eine Reservebrigade und eine Panzerjagdbrigade. Die Luftstreitkräfte, auf Befehl Görings vom 19.12.44 aufgestellt, umfassten eine Jagd- (16 Me 109 G), eine Nachtschlacht- (12 Ju 88), eine Bomber- (5 He 111) und eine Verbindungsstaffel sowie eine Luftnachrichtenabteilung und ein Fallschirmjägerbataillon. Am 10.2.45 übernahm Wlassow die beiden ersten Divisionen auf dem Truppenübungsplatz Münsingen, nachdem am Tag zuvor erstmals ROA-Truppen erfolgreich gegen einen sowjetischen Brückenkopf eingesetzt worden waren.

    Obwohl einige Einheiten der Wlassow-Armee am 6.5.45 am Aufstand in Prag gegen die deutschen Truppen teilnahmen, teilten sie nach Kriegsende das Schicksal der Kameraden, die von den Amerikanern unter Gewaltanwendung an die Sowjets ausgeliefert wurden. Die Offiziere wurden zumeist sofort erschossen, andere in der UdSSR abgeurteilt (Tod oder Zwangsarbeit), die meisten einfachen Soldaten ohne Urteil nach Sibirien verschleppt.