Wernher von Braun

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    dt. Ingenieur; geboren 23. März 1912 Wirsitz (Posen),gestorben 16. Juni 1977 Alexandria (Virginia/USA)

    Wernher von Braun, Ingenieur

    seit Oktober 32 beim Heereswaffenamt. Braun unternahm zunächst in Kummersdorf Versuche mit Raketenmotoren, für die bald ein neues Gelände gesucht wurde. 1937 wurde er Leiter dieser neuen Raketenversuchsanstalt in Peenemünde, wo schon ein Jahr später die Fertigstellung des ersten Prototyps der späteren ballist. Flüssigkeitsrakete A 4 gelang, die unter dem Propagandanamen V 2 bekannt wurde. Die Entwicklung zur Produktionsreife kam lange nur schleppend voran, weil die polit. und militär. Führung dem Projekt skept. gegenüberstand. Erst am 3.10.42 glückte der erste erfolgreiche Test der Fernwaffe, deren Bau wenig später höchste Dringlichkeitsstufe erhielt. Braun, inzwischen zum Prof. ernannt, bekam zudem im Herbst 43 den Auftrag, eine verkleinerte Version Wasserfall als Flugabwehrrakete zu entwickeln. Mit der Beschießung Londons begann am 8.9.44 der Kriegseinsatz der V 2, eine Wende jedoch konnte auch die von der Propaganda als "Wunderwaffe" gepriesene Rakete dem Kriegsgeschehen nicht mehr geben. Ihre Produktion litt zunehmend unter massiven Luftangriffen, sodass in unterirdische Fertigungshallen ausgewichen werden musste ("Mittelbau"). Die hohe Aufmerksamkeit, die Hitler dem Projekt zuwandte, weckte das Interesse der SS, die es in die Hand zu bekommen suchte. Braun, mehr an Raumfahrt als an Waffentechnik interessiert, wurde der "hochverräterischen" Verschleppung der Arbeiten bezichtigt und am 14.3.44 in Haft genommen, kam aber auf Intervention von Speer wieder frei. Bei Herannahen der Roten Armee wich er mit seinem Stab nach Oberammergau aus, wo er sich am 5.5.45 in US-Gefangenschaft begab. Fortsetzung der Forschungsarbeiten in den USA, 1955 Annahme der amerikan. Staatsbürgerschaft, 1959 zur NASA, Bau von Trägerraketen für Satelliten, führend bei der Entwicklung der Saturn V für die bemannten Mondlandungen im Rahmen des "Apollo"-Programms.