Weibliches Gefolge

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    im Dienst einer Krieg führenden Macht stehendes weibliches Personal, das nach Völkerrecht wie Kriegsgefangene zu behandeln ist. Auf deutscher Seite fielen hierunter die (Stabs-)Luftwaffen-, Marine- und Waffen-SS-Helferinnen (Weibliches Wehrmachtgefolge). Sie gehörten zu dem völkerrechtlich geschützten Personenkreis, dessen Zurückhaltung in der Gefangenschaft nur zur Sicherung der Pflege von Verwundeten und Kranken der eigenen Streitkräfte gestattet ist. In diesem Falle genossen sie die Rechte von Kriegsgefangenen. Von den etwa 80 000 Frauen des deutschen Weiblichen Gefolges dürften nur wenige in Gefangenschaft geraten sein, zumal die Truppe in Ausführung der OKW-Befehle vom 5.9.44 und 20.4.45 bemüht war, die Frauen bei Näherrücken der Front in das rückwärtige Gebiet zu verlegen oder nach Hause zu entlassen. Dagegen sind von den rund 362 000 im Sanitätsdienst der Wehrmacht stehenden weiblichen DRK-Kräften mit Sicherheit viele in alliierte Hand gefallen, weil sie bei Zurückweichen der deutschen Front nicht selten bei den Verwundeten und Kranken ausharrten, die nicht mehr zurückgeführt werden konnten.

    Kriegsgefangenenlager nur für Angehörige des Weiblichen Gefolges gab es nur vereinzelt. Die Westalliierten unterhielten solche Frauenlager nur in Modena und Riccione (Italien) sowie in Château de la Bégude (Frankreich). Im übrigen waren Gefolge-Angehörige separat in den normalen Gefangenenlagern untergebracht. Die Sowjets sonderten die Frauen bereits in den Sammellagern ab und wiesen sie überwiegend in Arbeitslager (Zivilinterniertenlager) ein, unter denen es reine Frauenlager gab (z.B. Karaganda, Kemerowo, Stalinsk). Die Westmächte entließen die Mitglieder des Weiblichen Gefolges überwiegend schon 1945, sodass z.B. bei den Briten 1946 nur noch 4440 Frauen zur Pflege der Verwundeten und Kranken festgehalten wurden. Über das Schicksal der deutschen Frauen in sowjetischem Gewahrsam ist wenig bekannt; nach Schätzungen sollen sich 1949 noch 25 000 Gefolge-Angehörige in russischen Lagern befunden haben, heimgekehrt sind nur wenige. Die Sterblichkeit war hoch, zumal die Arbeitsbedingungen der weiblichen Gefangenen sich nicht von denen der Männer unterschieden.