Vidkun Quisling

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    norwegischer Politiker

    geboren: 18. Juli 1887 in Fryresdal, Telemark gestorben: 24. Oktober 1945 in Oslo

    Vidkun Quisling (Mitte) im Gespräch mit Heinrich Himmler (links)

    1905-13 Offiziersausbildung, Militärattaché in Petrograd, 1922-26 beteiligt an der Organisation von Hilfsmaßnahmen für die hungernde russische Bevölkerung, 1927/29 Legationssekretär an der norwegischen Botschaft in Moskau. Quisling stand zunächst dem Bolschewismus nahe, wandelte sich aber nach seiner Heimkehr (1930) zum erbitterten Antikommunisten, gründete die faschistische "Norwegische Volkserhebung", die er später "Nasjonal Samling" nannte, ließ sich nach Hitlers Vorbild von seinen Anhängern "Forer" (Führer) nennen und legte sich eine Leibgarde zu. Mit seinem antimarxistischen und antisemitischen Programm gelang ihm jedoch nie der Einzug ins Parlament. Am 14.12.39 von Hitler in der Reichskanzlei empfangen, setzte Quisling bei der deutschen Besetzung Norwegens ganz auf Kollaboration und rief zur Einstellung des Widerstands auf. Obwohl seine Partei von den deutschen Besatzern als einzige weiter zugelassen wurde und er selbst 1942 sogar Ministerpräsident wurde, hatte Reichskommissar Terboven in dem unpopulären Faschistenführer keine Hilfe. Er scheiterte mit seinen Plänen zur Etablierung eines Ständestaates an den Gewerkschaften, verärgerte die Bevölkerung mit der formalen Abschaffung der Monarchie, alarmierte die Wirtschaft durch Pläne zur Arisierung jüdischen Eigentums und machte sich die Kirche durch rassistische Maßnahmen zum Feind. Auch Terrorjustiz (Gründung eines Volksgerichts) und Aufbau eines verzweigten Spitzelnetzes brachten ihm keine Kontrolle über den Staat, dessen Apparat sich weitgehend verweigerte; auf die deutsche Besatzungspolitik war sein Einfluss ohne Bedeutung. Der Name Quisling wurde weltweit zum Synonym für Verräter, Kollaborateur. 9.5.45 verhaftet, 10.9.45 zum Tod verurteilt.