Vichy

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    französische Stadt in der Auvergne, Departement Allier, nordöstlich Clermont-Ferrand mit 45 000 Einwohnern (1940). Vichy, das am 20.6.40 von deutschen Truppen erreicht wurde, war nach der Niederlage Frankreichs Sitz der und Bezeichnung für die französische Regierung in der unbesetzten Zone des Landes. Hier trat am 10.7.40 zum letzten Mal die französische Nationalversammlung zusammen und wählte mit 569:80 Stimmen Pétain zum Staatspräsidenten mit diktatorischen Vollmachten, dessen Regierung u.a. vom Vatikan, von den USA und der UdSSR anerkannt wurde, aber weitgehend von Berlin abhängig war. Trotz des daher gewählten Kurses der Kollaboration konnte Vichy Frankreich aus dem weiteren Krieg zunächst heraushalten, musste jedoch dafür Zugeständnisse machen und bei einer grundsätzlichen Haltung des "attentisme" (Abwarten) u.a. die nationalsozialistische Judenverfolgung unterstützen, an der die Vichy-Miliz erheblichen Anteil hatte. Gegen diese Erfüllungspolitik und die deutschen Besatzer bildete sich eine starke Résistance, die Vichy erhebliche Schwierigkeiten machte, v.a. nach der Besetzung von Südfrankreich ("Anton") nach der alliierten Landung in Französisch Nordafrika ("Torch") im November 42. Vichy hatte nun den letzten politischen Handlungsspielraum verloren und konnte nur noch nach deutschen Anweisungen handeln. Bei Herannahen der Alliierten wurde die Stadt geräumt und die Regierung über Belfort (26.8.44) nach Sigmaringen (7.9.44) verbracht, wo sie ihre bis heute umstrittene Tätigkeit einstellte.