V 2

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Eine V 2 wird mit ihrem Transportgerüst aufgerichtet

    Abkürzung für Vergeltungswaffe 2, Propagandaname der deutschen Fernrakete A-4. Technisch als Stammvater aller Weltraumraketen eine Jahrhundertleistung, blieb die militärische und psychologische Wirkung dieser sensationellsten aller so genannten "Wunderwaffen" hinter den Hoffnungen der nationalsozialistischen Führung zurück.

    Die Entwicklung einer ballistischen Rakete durch W. v. Braun begann Anfang der 1930er Jahre auf dem Versuchsgelände des Heereswaffenamts in Kummersdorf bei Berlin und wurde seit 1937 in Peenemünde fortgesetzt, wo schließlich am 3.10.42 nach mehreren Fehlstarts der erste 120-km-Probeflug glückte, sodass das Projekt 1943 höchste Dringlichkeitsstufe erhielt. Anders als bei der V 1 war eine direkte Abwehr der überschallschnellen Fernrakete nicht möglich. Das 14 m lange Projektil wog unbetankt etwa 4 t, der Motor für flüssigen Sauerstoff und ein Äthyalkohol-Wasser-Gemisch entwickelte 25 t Startschub. Die V 2 hob senkrecht ab und raste in 29 km Höhe durch die Stratosphäre über einen Leitstrahl auf ihr bis zu 340 km entferntes Ziel zu, wo der 975-kg-Gefechtskopf einschlug.

    Die Serienfertigung wurde mehrfach durch alliierte Luftangriffe (u.a. "Hydra") verzögert und schließlich in den unterirdischen Mittelbau verlegt. Von Anfang Januar 44 bis April 45 wurden 5940 Exemplare zum Stückpreis (ohne Sprengkopf) von 119 600 RM geliefert. Zwei für den Beschuss Londons gedachte Riesenbunker bei Watten und Wizernes in Nordfrankreich wurden noch vor Fertigstellung von RAF-Bombern zerstört. Daher begann der Beschuss der britischen Hauptstadt mit V 2 durch mobile Heeresartillerie, die am 8.9.44 aus dem Raum Den Haag das Feuer eröffnete und bis 27.3.45 insgesamt 1269 Raketen auf England, davon 1225 auf London, abschoss. Über ein Drittel der Projektile zerlegte beim Flug, die Treffsicherheit war ungenügend, sodass nur 518 Einschläge in Groß-London gezählt wurden (2274 Tote).

    Weit mehr V 2, insgesamt 1739 Stück, gingen auf kontinentale Ziele nieder, darunter 15 auf Paris. Eindeutiger Schwerpunkt dieser Offensive war aber mit 1539 V 2 Antwerpen, wo am 16.12.44 ein Volltreffer 567 Besucher eines Kinos, darunter 490 britische Soldaten, tötete. Insgesamt 6448 Menschen fielen in Belgien den V-Waffen zum Opfer, 22 524 wurden verletzt. Einziger taktischer Einsatz der V 2 war der auf ausdrücklichen Befehl Hitlers angeordnete Beschuss der Brücke von Remagen, die aber von keiner der 11 Raketen getroffen wurde.

    Von den verschiedenen Ableitungen der A-4 kam nur noch die Fla-Rakete Wasserfall in die Truppenerprobung. Das Projekt einer 2-stufigen Monsterrakete A 9/A 10, die sogar über den Atlantik hinweg gegen die USA eingesetzt werden sollte, kam über das Reißbrettstadium nicht hinaus.