Ukraine

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    22. Juni 1941. Deutsche Pioniere setzen über den Bug

    Sowjetrepublik im Süden des europäischen Russlands mit 601 000 km² und 39,5 Millionen Einwohnern (1939), Hauptstadt Kiew. Unmittelbar nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion (22.6.41) kam es in der Ukraine zu zahlreichen Gräueltaten der bolschewistischen Machthaber an politischen Gefangenen und in geringerer Zahl auch an deutschen Kriegsgefangenen. So wurden z.B. am 24.6. im Staatsgefängnis Dubno fast 500 ukrainische Häftlinge mit Maschinenpistolen erschossen, im benachbarten Luck töteten NKWD-Angehörige 1500 Ukrainer, in Sarni brachten sie ebenfalls einige hundert Männer und Frauen um, bei der Einnahme von Lemberg fanden deutsche Soldaten Tausende von Leichen, darunter viele verstümmelte und zahlreiche Kinder, in Winniza bargen deutsche Truppen im Herbst 41 9432 Opfer der sowjetischen Sicherheitskräfte u.a.

    Die Wehrmacht wurde daher vielfach als Befreierin begrüßt, nachdem Hitler gegen die Warnungen seiner Generalität nach dem raschen Vormarsch der deutschen Truppen im Sommer 41 die Ukraine statt Moskau zum ersten Hauptziel der deutschen Offensive gewählt hatte. Dafür ließ er die im Mittelabschnitt weit vorgedrungene 2. Armee (v. Weichs) sowie die Panzergruppe 2 (Guderian) nach Süden eindrehen, wo nach Zusammentreffen mit der nach Norden vorstoßenden Panzergruppe 1 (v. Kleist) östlich Kiew am 12.9.41 ein riesiger Kessel entstand, in dem 665 000 Mann starke sowjetische Kräfte vernichtet wurden.

    Die Ukraine war damit Ende September 41 praktisch in deutscher Hand und der geplanten Ausbeutung ausgeliefert. Die nationalsozialistischen Behörden unter Reichskommissar Koch unterdrückten aufkommende ukrainische Autonomiebestrebungen ebenso hart wie die kommunistischen Partisanen, ließen Zehntausende als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppen und lieferten einen Großteil der Ernten und der Produktion aus der Ukraine ins Deutsche Reich. Der braune Terror, u.a. auch im Rahmen der Judenverfolgung (Babi-Yar), übertraf den roten um ein Vielfaches und führte zur Bildung einer rasch anwachsenden Widerstandsbewegung, was mit immer neuen deutschen Gewalttaten beantwortet wurde, bis im Herbst 43 die Rote Armee die Ukraine zurückerobert hatte.

    Doch kam es auch nach dieser "Befreiung" zu "Strafaktionen" gegen tatsächliche und angebliche Kollaborateure der vertriebenen deutschen Besatzer, wobei ganze Volksgruppen wie etwa die Krimtataren nach Sibirien deportiert wurden.