Uhu

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Beiname des Nachtjägers Heinkel He 219. Die Uhu war in der Grundkonstruktion vom August 40 zunächst als Fernaufklärer oder schneller Bomber vorgesehen. Mit Sondervollmachten drängte der damalige General der Nachtjäger, Kammhuber, Anfang 42 darauf, die Maschine in enger Zusammenarbeit mit erfahrenen Piloten als Nachtjäger weiterzuentwickeln. Der Prototyp absolvierte am 15.11.42 in Rostock den Erstflug und beeindruckte durch hervorragende Leistungen. Bei der "scharfen" Erprobung der Nullserie schoss eine Versuchseinheit bei 5 Nachteinsätzen 20 britische Bomber ab, davon 6 schnelle Mosquitos, denen sich weder die Ju 88 noch die Me 110 technisch gewachsen zeigten. Major Streib vom Gruppenstab I./N.J.G. 1 in Venlo holte in der Nacht 11./12.6.43 bei einem britischen Großangriff auf Düsseldorf innerhalb von 30 Minuten allein 5 Viermotorige mit seiner Uhu vom Himmel. Die He 219-A war mit Bugrad, Druckkabine, Lichtenstein-Radar, später auch mit Schleudersitzen für die zweiköpfige Besatzung ausgerüstet. Sie erreichte mit 2x1 800-PS-V-Motoren DB 603 maximal 670 km/h in 7 km Höhe, hatte eine Reichweite von maximal 2000 km und eine Dienstgipfelhöhe von 12 700 m. Die Standardbewaffnung bestand aus 2x20-mm-Kanonen in den Flügelwurzeln und aus 4x20- oder 30-mm-Kanonen als "Schräge Musik". Die Serienfertigung des modernsten deutschen Nachtjägers wurde vom Luftfahrtministerium zugunsten der Ju-88 immer wieder verzögert, sodass schließlich nur 268 Maschinen gebaut wurden. Am 31.12.44 waren nach Unterlagen des Generalquartiermeisters 40 Uhus der I. Gruppe/N.J.G. 1 einsatzbereit, 54 flugfähige Maschinen fielen den Briten im Mai 45 in Schleswig-Holstein und Dänemark in die Hände. Ein einziges Exemplar ist zerlegt im National Air Museum in Washington übriggeblieben.