Tschiangkaischek

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    chinesischer Politiker und Marschall

    geboren: 31. 1887 Feng Hwa (Tschekiang) gestorben: 5. 1975 Taipeh (Taiwan)


    1906-11 Ausbildung auf chinesischen und japanischen Militärakademien, 1911 Anschluss an die revolutionäre Nationalpartei (Kuomintang) Sun Yatsens und 1924 dessen Nachfolger, 18.4.27 Chef der Nationalregierung in Nanking mit diktatorischen Vollmachten. Tschiangkaischek gelang nach jahrzehntelangen Wirren wieder die Einigung Chinas unter einer Zentralregierung, doch kam es schon bald zum Konflikt mit den Kommunisten, deren Führungskader blutig verfolgt wurden. Nach der japanischen Annexion der Mandschurei schlug Tschiangkaischek gegenüber Tokio einen Kompromisskurs ein, um vor der unvermeidlichen Auseinandersetzung mit dem japanischen Imperialismus zunächst die Kommunisten auszuschalten, die er in den äußersten Nordwesten abdrängte. Entscheidende Erfolge gelangen ihm jedoch nicht und nach dem japanischen Angriff 1937 sah er sich zum Einlenken und zur Beteiligung der Kommunisten an einer nationalen Einheitsfront gegen die Invasoren gezwungen. Tschiangkaischek lehnte sich eng an die USA an, die ihm mit General Stilwell einen Generalstabschef als Aufpasser verordneten. Trotz weitreichender Zusagen der Westmächte für die Zeit nach dem Sieg über Japan u.a. auf der Kairokonferenz (November 43) blieb Tschiangkaischek misstrauisch und setzte schließlich im Oktober 44 die Abberufung Stilwells durch. Dennoch versuchte ihn Washington auch nach Kriegsende zu halten, als der Bürgerkrieg gegen die Kommunisten wieder ausbrach, doch hatte Tschiangkaischek die Basis im Volk verloren und musste schließlich mit den Resten seiner Armee nach Formosa fliehen. Dort etablierte er als Staatspräsident sein Nationalchina und beharrte in illusionärer Wirklichkeitsverleugnung und zunehmender außenpolitischer Isolierung auf der Fiktion, weiterhin einziger legitimer Repräsentant Chinas zu sein.