Truppenübungsplatz

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    von den Streitkräften zu Manöverzwecken genutzte größere Geländefläche. Am Rand von oder auf Truppenübungsplätzen (Altengrabow, Bergen-Belsen, Hammerstein, Lamsdorf, Munsterlager, Neuhammer, Senne, Thorn, Zeithain) wurden bei Beginn des Russlandfeldzugs große Lager für sowjetische Gefangene errichtet, die anfangs den Charakter von Durchgangslagern (Dulags) hatten, über die viele hunderttausende von Rotarmisten in die Stammlager (Stalags) transportiert wurden. In der Wartezeit lagen die Gefangenen auf den Truppenübungsplätzen überwiegend schutzlos auf freiem Feld, was viele nicht überlebten, zumal die Ernährung völlig unzureichend war. Tausende wurden zudem auf Grund der Einsatzbefehle 8 und 9 des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD vom 17. bzw. 21.7.41 als "politisch unerwünscht" ausgesondert und in Konzentrationslagern ermordet.

    Im Stalag XI C (311) Bergen-Belsen trafen z.B. bis Herbst 41 rund 25 000 Gefangene ein, die sich auf einem mit Stacheldraht abgezäunten riesigen Gelände Erdlöcher zur Unterkunft graben mussten. Im Oktober 41 brach Fleckfieber aus, an dem 12 000 Mann starben. Hinzu kamen die Opfer der Stapo Hamburg, die missliebige Rotarmisten aussonderte (ca. 2000) und nach Sachsenhausen überstellte, wo sie in der "Genickschussanlage" umgebracht wurden. Die übrigen mussten als Zwangsarbeiter Frondienst leisten. Im Herbst 43 lebten noch 3000 Mann in Bergen-Belsen.

    Im Gegensatz zu den anderen auf Truppenübungsplätzen eingerichteten Lagern war das Stalag XI A Altengrabow bei Magdeburg kein reines Russenlager. Schon 1940 gegründet, war es beim Eintreffen der ersten Rotarmisten bereits mit 45 000 belgischen, französischen, polnischen und serbischen Gefangenen belegt. Das neue Russenlager wurde streng vom eigentlichen Stalag-Gelände abgeriegelt. Mindestens 25 000 Rotarmisten wurden eingeliefert, von denen in den ersten Wochen viele an Erschöpfung und Unterernährung starben, andere fielen im Spätherbst 41 einer Fleckfieberepidemie zum Opfer (ca. 3000 Mann). 1944 war die Belegstärke auf einen Bruchteil geschrumpft. Es wurden nun zur "Aufpäppelung" Russen aus dem Stalag XI B Fallingbostel eingeliefert, die aber oft schon den Transport nicht überstanden hatten oder in den Tagen darauf an Entkräftung starben.