Tokio

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Hauptstadt des Kaiserreichs Japan mit 6,8 Millionen Einwohnern (1940). Ähnlich wie Warschau, London, Hamburg, Berlin und Dresden war Tokio Ziel verheerender Luftangriffe; in diesem Fall waren es die viermotorigen B-29 Superfortress des amerikanischen strategischen Bomberkommandos, die im Frühjahr 45 Tokio durch Massenangriffe verwüsteten. Am 18.4.42 hatten erstmals 13 B-25 Mitchell die Stadt während des Doolittle-Raids bombardiert, doch erzielten sie eher psychologische Wirkung in den USA als militärische beim Gegner. Mit der Eroberung der Marianen im August 44 gelangte Tokio in den Aktionsbereich der landgestützten B-29-Fernbomber: 24.11.44 erster Angriff mit 111 dieser Superfestungen auf ein Flugzeugwerk in der Stadt. General LeMay stellte die Bomberoffensive gegen Japan dann auf nächtliche Flächenbombardements mit der dreifachen Ladung von Phosphorbrandbomben um: Am 9./10.3.45 forderte der erste Brandangriff auf Tokio durch 279 B-29 nach japanischen Angaben 83 783 Tote und mehr als 100 000 Verwundete unter der Zivilbevölkerung; rund 25 km² Stadtgebiet mit einem Viertel aller Gebäude, die wegen ihrer Leichtbauweise aus Holz und Papier wie Zunder brannten, wurden eingeäschert. Die Offensive eskalierte von Mitte April bis Mai 45; rund 1000 B-29 flogen in den Nächten zum 24. und zum 26.5. die letzten großen Brandangriffe und brachten die auf Tokio abgeladene Bombenlast auf 11 836 t, die 50% der bebauten Stadtfläche niederbrannten, sodass Tokio schon vor dem Abwurf der ersten Atombombe das schaurige Bild von Hiroshima bot.