Türkei

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Republik in Kleinasien und Südosteuropa mit 772 000 km² und 17,9 Millionen Einwohnern (1940), Hauptstadt Istanbul. Die Türkei, die schon vor Kriegsbeginn ihre Neutralität beidseitig durch ein kunstvolles Netz von Verträgen abgesichert hatte, unterstrich ihren Kurs unter Regierungschef Inönü (1938-50) auch nach Ausbruch der Feindseligkeiten sowohl durch ein Bündnis mit Großbritannien (19.10.39) als auch durch einen Freundschaftsvertrag mit Deutschland (16.6.41) und blieb neutral. Viele Flüchtlinge entkamen über die Türkei aus dem deutsch besetzten Europa, auch wenn es zu manchen Tragödien kam wie im Fall des Schiffs Struma. Auch als Tummelplatz der Agenten beider Seiten (u.a. Cicero) spielte das Land eine Rolle im Krieg. Zwar übte London beim Treffen Churchills mit Inönü am 30./31.3.43 in Adana erheblichen Druck aus, konnte aber die Türkei nicht zum Kriegseintritt auf Seiten der Alliierten bewegen. Istanbul versuchte im Gegenteil, wenn auch vergeblich, zwischen Moskau und Berlin zu vermitteln und wandte sich erst von Deutschland ab, als die Niederlage offenkundig wurde. Am 2.8.44 wurden die diplomatischen Beziehungen abgebrochen, am 1.3.45 folgte die Kriegserklärung als Eintrittskarte für die Vereinten Nationen.