Stuka

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Kurzwort für das Sturzkampfflugzeug Junkers Ju 87. Auf die Idee eines Stukas für die Luftwaffe brachten Generalluftzeugmeister Udet Vorführungen des Doppeldeckers Helldiver der amerikanischen Marine. Er importierte zwei Maschinen zur Erprobung. Inzwischen hatte Junkers im schwedischen Zweigwerk Malmö den sturzflugtauglichen Jagdzweisitzer Ju (K) 47 entwickelt, der zum direkten Vorläufer des Stuka wurde; Erstflug 17.9.35. Im Sommer 37 übernahm das Stuka-Geschwader Immelmann in Schwerin die ersten Maschinen der A-Serie. Die Kampferprobung bei der Legion Condor im Spanischen Bürgerkrieg ergab eine außerordentliche Treffsicherheit beim Bombenwurf, die taktischen Erfahrungen schlugen sich in der B-Serie von 1938/41 nieder. Die Ju 87 "Bertha" erhielt neben einer neuen Kabine ein schlankeres Fahrwerk und v.a. den 1200-PS-Jumo-211-Reihenmotor. Mit ihren hässlichen Knickflügeln und dem Hängekühler unter der Motorschnauze verkörperte sie den Stuka schlechthin, obwohl die Ju 88 ebenfalls als Sturzbomber ausgelegt worden war. Für den Überfall auf Polen zog die Luftwaffe 9 Gruppen und 1 Staffel mit 348 Stukas zusammen; etwa ebenso viele unterstützten als "fliegende Artillerie" im Westen den Panzerdurchbruch. Die Stuka-Staffeln flogen ihre Ziele in Dreierketten an, aus 3000 bis 5000 m Höhe kippten sie fast senkrecht über die Tragfläche ab und klinkten kurz vor dem Abfangen zwischen 800 und 300 m ihre Bomben aus. Sturzkampfangriffe erwiesen sich als besonders wirksam gegen Bunker, Panzeransammlungen, Brücken, Eisenbahnanlagen, Schiffe und ähnliche Punktziele. Das infernalische Geheul der "Jericho-Trompeten", einer kleinen Propellersirene am linken Radbein, demoralisierte als zusätzlichen psychologischen Effekt Zivilbevölkerung und feindliche Bodentruppen.

    Bei der Luftschlacht um England zerstob der Stuka-Mythos. Gegen angriffslustige Spitfires hatte der klobige, viel zu langsame Bomber keine Chance. Nach unerträglichen Verlusten wurden die Stuka-Gruppen Ende August 40 aus der Englandoffensive gezogen. Solange sich die Achsenmächte der Luftüberlegenheit erfreuten, wurden Stukas mit einigem Erfolg über dem Mittelmeerraum und Nordafrika verwendet. Sie setzten den britischen Träger Illustrious für ein Jahr außer Gefecht und bombten das Wüstenfort Bir Hacheim sturmreif. In Russland operierten die Stuka-Verbände anfangs noch einmal nach dem bewährten Blitzkriegskonzept, bald jedoch wurden sie als "Feuerwehr der Luft" bei den immer härteren Schlachten verschlissen. Mitte 43 war die Zeit des Stuka vorüber, aber er blieb im Osten als "Nachtschlächter" und "fliegende Pak" weiterhin unentbehrlich. Mit verbesserten Kampfleistungen war inzwischen die letzte und zahlenmäßig wichtigste Großserie für den 1400-PS-Jumo-211-J-Reihenmotor an die Front gekommen. Diese Ju 87 D, kenntlich an der tropfenförmigen Abdeckhaube und verkleinertem Kühler, flog maximal 408 km/h, verfügte über Panzerschutz für Pilot und Beobachter, 2x7,9-mm- oder 2x20-mm-Kanonen als starre Bewaffnung nach vorn und ein 7,92-mm-Zwillings-MG als bewegliche Abwehrbewaffnung nach hinten, 5,7 t Abfluggewicht, bis 1800 kg Bomben an Außengehängen. Die G-Serie war als "Panzerknacker" konzipiert; sie trug 2 automatische 3,7-cm-Flak 18 mit je einem 12-Schuss-Magazin unter den Tragflächen. Oberst Rudel, mit 2530 Frontflügen bekanntester Stuka-Pilot, zerstörte 519 Sowjetpanzer mit einem solchen "Kanonenvogel". Der letzte von insgesamt 5709 Stukas wurde im Oktober 44 abgeliefert, Ende März 45 war dieses Baumuster noch bei 19 Panzerjagdstaffeln und Nachtschlachtgruppen vertreten, der Bestand jedoch auf 300 Maschinen zusammengeschmolzen.