Stahlpakt

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    von Mussolini, der auch gern pathetisch von "Blutsbündnis" sprach, zur Kennzeichnung der "ehernen" Solidarität geprägte Bezeichnung für den am 22.5.39 in Berlin von den beiden Außenministern auf 10 Jahre geschlossenen deutsch-italienischen Vertrag. Der Stahlpakt schrieb den Verzicht Deutschlands auf Südtirol fest, sah eine politische Konsultationspflicht vor, sollte aber v.a. die uneingeschränkte und unbedingte gegenseitige Hilfe bei militärischen Konflikten garantieren, wobei es unerheblich blieb, ob der Partner Angreifer oder Opfer einer Aggression war. Zur besseren Koordinierung der militärischen und wirtschaftlichen Anstrengungen waren gemeinsame Kommissionen vorgesehen, ein einseitiger Sonderfrieden wurde ausdrücklich ausgeschlossen. Während Hitler im Stahlpakt eine diplomatische Absicherung seines bereits befohlenen Angriffs auf Polen (11.4.39 Weisung für den "Fall Weiß") sah und sich eine Abschreckung der Westmächte davon versprach, hoffte Mussolini, durch das so gewonnene Mitspracherecht den Krieg hinausschieben zu können. In einem Brief an Hitler vom 30.5. erklärte er umgehend, dass Italien frühestens 1942 kriegsbereit sein und erst dann zu seinen Verpflichtungen aus dem Stahlpakt stehen könne, da zunächst Albanien und Abessinien befriedet werden müssten und dann die Bewaffnung der italienischen Streitkräfte zu modernisieren sei. Hitler, der Rom bewusst im Unklaren über seine wahren Ziele ließ, antwortete ausweichend, was Mussolini bei Kriegsbeginn zum Vorwand nahm, seine Nichtkriegführung ("nonbelligeranza") zu erklären. Im Krieg blieb der Stahlpakt ohne nennenswerte Auswirkung, da selbst die vorgesehene Institutionalisierung der gemeinsamen Kriegführung nicht zustande kam und Italien im September 43 ohne Rücksicht auf die Vertragsbestimmungen einseitig einen Waffenstillstand schloss.