Sizilien

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    süditalien. Insel im zentralen Mittelmeer mit 25 709 km² und rd. 4,1 Mio. Einwohnern (1940). Sizilien spielte während des Afrikafeldzugs eine entscheidende Rolle als Ausgangsbasis für Nachschubgeleite und war nach dem Ende der Kämpfe in Nord-Afrika Ziel der alliierten Landungsoperation "Husky", der wochenlange vorbereitende Luftangriffe und die Eroberung von Pantelleria vorausgingen. Am 10.7.43 setzte eine Flotte (Admiral Cunningham) von 280 Kriegsschiffen, 320 Transportern, 900 großen und 1125 kleinen Landungsfahrzeugen bei erhebl. Seegang die amerikan. 7. Armee (Generalleutnant Patton) und die brit. 8. Armee (General Montgomery) an Land unter dem Schirm einer Luftstreitmacht (Luftmarschall Tedder) von 3680 Maschinen. Während der Versuch, mit Luftlandetruppen im Vorgriff strateg. wichtige Punkte zu besetzen, wegen des stürm. Wetters weitgehend fehlschlug, kamen die amphib. Verbände ohne größere Schwierigkeiten an Land: die Amerikaner im Golf von Gela, die Briten zwischen der Halbinsel von Pachino an der SO-Ecke der Insel und Syrakus, dessen Hafen bis zum Abend genommen war und eine wichtige Nachschubbasis wurde.

    Die Verteidiger von Sizilien, die italien. 6. Armee (Armeegeneral Guzzoni) mit 4. Infanterie- und 5. Küstenschutzdivision sowie der dt. Panzerdivision "Hermann Göring" und der 15. Panzergrenadierdivision hatten die Landung erwartet, wegen des schlechten Wetters allerdings später. Zudem fehlte letzte Klarheit über die genauen Angriffsziele. So war zwar der Hafen von Gela unbrauchbar gemacht worden, andere dagegen wie der von Syrakus intakt geblieben. Die direkte Bekämpfung der Landung im offenen Strandgelände war wegen der alliierten Luftherrschaft und angesichts der Feuerkraft der Schiffsartillerie wenig ratsam. Gegenangriffe kamen daher erst in den Tagen danach zum Tragen, als die Landeköpfe stabilisiert waren und der Nachschub ungehindert floss. Wenn dennoch die Attacken insbesondere der Panzer von "Hermann Göring", darunter 17 Tiger, bei der 45. US-Division am 11./12.7. fast zu Panik und teilweiser Wiedereinschiffung führten, so änderte das nichts an der aussichtslosen Lage der Verteidiger. Die italien. Armee lief schon nach wenigen Tagen auseinander, sodass der Widerstand fast ausschließl. von den dt. Truppen geleistet wurde, die Verstärkung durch das XIV. Panzerkorps unter General Hube erhielten, der den Oberbefehl über alle dt. Verbände am 17.7. übernahm.

    Die Aufgabe war heikel, weil sie unter der ständigen Gefahr gelöst werden musste, dass Italien aus der Kriegskoalition ausschied und die dt. Truppen in der Falle saßen. Nach der Entmachtung Mussolinis (25.7.) konnte es daher nur noch um geordnete Rückführung aufs italien. Festland gehen. Hube ließ bei Catania einen Riegel aufbauen, an dem der Vormarsch der brit. 8. Armee zum Stehen kam, während er den rechten Flügel auf die Linie San Stefano - Troina allmähl. zurücknahm und das Zentrum an die Ätna-Hänge anlehnte. Durch gezielte Zerstörungen und Minenfelder gebremst, erreichten Pattons Truppen das Vorfeld erst am 1.8. und durchstießen die Stellung am 6.8., nachdem die dt. Verteidiger sich unbemerkt abgesetzt hatten. Versuche, die dt. Bewegung durch Landungen im Rücken zu überholen, blieben erfolglos, sodass am 12.8. das Unternehmen "Lehrgang" zur Räumung von Sizilien anlaufen und am 17.8. ohne wesentl. Verluste abgeschlossen werden konnte. Am gleichen Tag nahmen die Alliierten Messina.

    Der Fall von Sizilien hatte Italiens Kriegsmüdigkeit demonstriert und weiter gefördert. Der Sturz des Faschismus war nicht zuletzt dadurch beschleunigt worden. Die Zweite Front jedoch, die Stalin dringl. von den Westalliierten forderte, ließ weiter auf sich warten, da Churchill mit dem Angriff auf Sizilien seine "Strategie der Peripherie" noch einmal durchgesetzt hatte. In Berlin aber musste man sich darauf einrichten, dass die Achse ihr italien. Rad verlor.