Sir Winston (Leonard Spencer) Churchill

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    britischer Politiker und Schriftsteller

    geboren: 30. November 1874 in Blenheim Palace, Oxfordshire gestorben: 24. Januar 1965 in London

    Am 3. September 1939 wird Winston Churchill zum Ersten Lord der Admiralität ernannt.

    als Spross der Familie der Herzöge von Marlborough Ausbildung an Eliteschulen wie Harrow und Kadettenanstalt Sandhurst; Offizier in mehreren Feldzügen; 1899/1900 Kriegsberichterstatter im Burenkrieg. Durch abenteuerliche Flucht aus burischer Gefangenschaft populär geworden, gelangte Churchill 1900 als konservativer Abgeordneter ins Unterhaus, wechselte 1906 zu den Liberalen und war mehrfach Minister, u.a. 1. Lord der Admiralität (Marineminister, 1911-15). Zwischenzeitlich Frontoffizier in Frankreich, bekleidete Churchill seit 1917 erneut verschiedene Ministerposten (u.a. 1924-29 Schatzkanzler) und kehrte zu den Konservativen zurück.

    Als energischer Vertreter einer britischen Politik der Stärke gegen das aufrüstende nationalsozialistische Deutschland geriet Churchill zunehmend in Gegensatz zur konservativen Appeasement-Linie; 1929-39 blieb er ohne Regierungsbeteiligung. Seine Warnungen vor nationalsozialistischem Rassismus und Imperialismus fanden wenig Gehör und wurden in Berlin als Angriffe eines "nicht ganz ernst zu nehmenden Außenseiters" registriert. Erst als die britische Beschwichtigungspolitik an Hitlers ungebremst expansivem Kurs gescheitert war, führte öffentlicher Druck im September 1939 zur Aufnahme Churchills ins Kriegskabinett N. Chamberlains als Marineminister. Zu spät aber wurden seine Forderungen nach Besetzung des norwegischen Erzhafens Narvik beherzigt, sodass Hitler Großbritannien zuvorkommen konnte. Churchill löste daher am Tag des deutschen Angriffs im Westen (10.5.40) Chamberlain als Regierungschef ab.

    Er bildete ein "Kabinett der nationalen Konzentration" mit Beteiligung der Labour Party und kündigte unbeugsamen Widerstand gegen die deutschen Eroberer an ("Blut, Mühsal, Tränen, Schweiß"). Als Churchill im Sommer 40 Hitlers Friedensangebote zurückwies, konnte er bereits auf amerikanische Hilfe hoffen, wie sie dann das Leih- und Pachtgesetz gewährte. Nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion schloss Churchill am 12.7.41 ein Bündnis mit Stalin und war maßgeblicher Initiator der Allianz der "Großen Drei", USA, UdSSR und Großbritannien. Konnte er noch in Casablanca (Januar 43) seine Strategie zur Niederwerfung Deutschlands durch Angriff auf den "weichen Bauch Europas" von Süden her durchsetzen, so sank sein Einfluss auf den Konferenzen von Teheran (Ende 43) und Jalta (Februar 45). Sein Plan, die Rote Armee von Mitteleuropa fernzuhalten, scheiterte letztlich an Roosevelt, der Stalin zum Kriegseintritt gegen Japan umwarb.

    Auch die europäische Nachkriegsordnung konnte Churchill nur noch in Ansätzen mitgestalten, da ihn eine Wahlniederlage im Juli 45 um weitere Mitwirkung am Potsdamer Abkommen brachte. Eine neue Amtszeit als Premierminister (1951-55) änderte nichts daran, dass Großbritannien im Krieg seine Großmachtstellung an die USA und die UdSSR verloren hatte.