Seekrieg

Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

Einsatz deutscher U-Boote im Mittelmeer

Die deutsche Kriegsmarine war von allen Wehrmachtteilen im September 1939 am wenigsten auf einen Krieg vorbereitet, schon gar nicht auf einen Konflikt mit der damals stärksten Seemacht Großbritannien, die zu dieser Zeit über zwölf Schlachtschiffe, drei Schlachtkreuzer, drei Monitore, sieben Flugzeugträger, 15 Schwere und 48 Leichte Kreuzer, 191 Zerstörer und 69 U-Boote verfügte. Deutschland konnte dagegen nur zwei Schlachtschiffe (eigentlich Schlachtkreuzer), drei Panzerschiffe, ein Schweren Kreuzer und sechs Leichte Kreuzer, 21 Zerstörer, elf Torpedoboote und 57 U-Boote aufbieten. Bis zum 31.12.1939 kamen noch dazu: ein Schwerer Kreuzer, ein Zerstörer, vier Torpedoboote und sechs U-Boote. Die französische Marine besaß sieben Schlachtschiffe, einen Flugzeugträger, ein Flugzeugmutterschiff, sieben Schwere und elf Leichte Kreuzer, einen Minenkreuzer, 32 Torpedokreuzer (große Zerstörer), 29 Zerstörer, zwölf Torpedoboote und 79 U-Boote. Angesichts dieser ungleichen Stärkeverhältnisse schrieb der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Großadmiral Raeder, am 3.9.1939 in einer Denkschrift: "Am heutigen Tag ist der Krieg gegen England-Frankreich ausgebrochen, mit dem wir nach den bisherigen Äußerungen des Führers nicht vor etwa 1944 zu rechnen brauchten ... Was die Kriegsmarine anbetrifft, so ist sie ... im Herbst 1939 noch keineswegs für den großen Kampf mit England hinreichend gerüstet. Sie hat zwar in der kurzen Zeit seit 1935 (Flottenvertrag) eine gut ausgebildete ... U-Bootwaffe geschaffen, ... die aber trotzdem noch viel zu schwach ist, um ihrerseits kriegsentscheidend zu wirken. Die Überwasserstreitkräfte sind ... noch so gering an Zahl und Stärke .... dass sie - vollen Einsatz vorausgesetzt - nur zeigen können, dass sie mit Anstand zu sterben verstehen." Die Schiffe des großartigen Z-Plans, die nach Abschluss des Deutsch-Britischen Flottenabkommens vom 18.6.1935 in Bau gegeben worden waren, lagen noch unfertig in den Werften. Von Stapel gelaufen waren bis Kriegsbeginn die Schlachtschiffe Bismarck und Tirpitz, der Flugzeugträger Graf Zeppelin und die Schweren Kreuzer Admiral Hipper, Blücher, Prinz Eugen, Seydlitz und Lützow. Hipper wurde noch vor Kriegsbeginn in Dienst gestellt, Blücher und Prinz Eugen folgten 1939/40, Lützow wurde am 11.2.1940 an die UdSSR verkauft und Seydlitz nie fertig gestellt.

Hauptaufgabe der deutschen Kriegsmarine war neben der Sicherung der Ostsee und der Küste der Nordsee die Bekämpfung der Versorgungswege der Gegner, vor allem derjenigen Großbritanniens im Atlantik. Schon in der Krisenphase vor Ausbruch der Feindseligkeiten hatte die Seekriegsleitung vorsorglich 18 Hochsee-U-Boote und zwei Panzerschiffe in den Atlantik entsandt. Bis Jahresende 1939 versenkten oder kaperten die U-Boote bei neun eigenen Verlusten 147 Handelsschiffe mit 509 321 BRT sowie einen Träger und ein Schlachtschiff. Den Panzerschiffen, von denen Admiral Graf Spee am 17.12.1939 zur Selbstversenkung gezwungen war, fielen nur elf Schiffe zum Opfer.

Die Ausschaltung der schwachen polnischen Marine im September 1939 erforderte nur wenig Aufwand. Drei der vier polnischen Zerstörer liefen noch vor Kriegsbeginn nach England. Die fünf polnischen U-Boote entkamen ebenfalls: Zwei gelangten nach England, die übrigen wurden in Schweden interniert. Das Jahr 1940 brachte der deutschen Kriegsmarine beim Unternehmen "Weserübung" schwere Schiffsverluste (ein Schwerer, zwei Leichte Kreuzer, zehn Zerstörer, ein Torpedoboot, vier U-Boote). Ungewöhnlich viele Torpedoversager verhinderten größere alliierte Schiffsverluste.

1940 versenkten deutsche Unterseeboote im Atlantik 481 Handelsschiffe mit 2 289 547 BRT. 22 Boote gingen verloren, 50 kamen neu in Dienst, dazu das Schlachtschiff Bismarck, der Schwere Kreuzer Prinz Eugen, drei Zerstörer und acht Torpedoboote. Die Schwäche der Marine trug wesentlich mit dazu bei, dass Hitler den Plan einer Invasion Englands ("Seelöwe") aufgeben musste. 1940/41 operierten sieben deutsche Hilfskreuzer und ein Panzerschiff erfolgreich in Übersee. Im Atlantik führten 1941 die Schlachtkreuzer Scharnhorst und Gneisenau wirksam Handelskrieg. Eine ähnliche Operation der Bismarck, die den britischen Schlachtkreuzer Hood versenkte, endete am 27.5.41 mit dem Verlust des neuen Schlachtschiffs.

Die Atlantik-Raids der schweren Einheiten sollten außer der Versenkung von Handelschiffen auch Diversionswirkung haben, d.h. gegnerische Kriegsschiffe binden. Die Operationen der deutschen Schiffe litten unter der engen Anbindung durch entsprechende Befehle, die möglichst große Erfolge bei geringst möglichem Risiko forderten. Admiral Hipper und Prinz Eugen erwiesen sich als wenig geeignet für den Zufuhrkrieg. Als es den Briten gelang, aufgrund des Einbruchs in den deutschen Funkcode (Ultra) die im Atlantik operierenden deutschen Versorgungstanker auszuschalten, musste diese Form des Handelskrieges aufgegeben werden. Insgesamt fielen deutschen Handelsstörern ein Kreuzer und 200 Handelsschiffe mit 1 181 512 BRT zum Opfer, davon die letzten drei 1943. Die Versenkungserfolge der U-Boote blieben 1941 leicht unter dem Ergebnis von 1940, obwohl 199 neue U-Boote in Dienst gestellt wurden. 35 gingen verloren, darunter im März 1941 die der erfolgreichen Kommandanten Prien (U 47), Kretschmer (U 99) und Schepke (U 100).

Seit dem Balkanfeldzug und dem Einsatz deutscher Truppen in Nordafrika wurden kleine deutsche Kriegsschiffe (S- und R-Boote) ins Mittelmeer überführt, wo die italienische Marine seit dem 10.6.1940 einen glücklosen Seekrieg gegen die Royal Navy führte, obwohl sie mit beachtlicher Stärke in den Krieg eingetreten war. Sie verfügte im Mittelmeer über sechs Schlachtschiffe, sieben Schwere und 14 Leichte Kreuzer, 52 Zerstörer, 65 Torpedoboote und 108 U-Boote. Außerdem befanden sich in Ost-Afrika sieben Zerstörer, zwei Torpedoboote und acht U-Boote. Gegen sie konnte die Royal Navy zunächst nur vier Schlachtschiffe, einen Flugzeugträger, neun Kreuzer und 21 Zerstörer aufbieten. Hierzu kam in den wenigen Wochen bis zur Kapitulation Frankreichs die französische Mittelmeerflotte mit vier Schlachtschiffen, vier Schweren und sechs Leichten Kreuzern, 35 Zerstörern und 45 U-Booten. Im östlichen Mittelmeer waren ein Schlachtschiff, drei Schwere und ein Leichter Kreuzer, drei Zerstörer und ein U-Boot stationiert. Letztere wurden am 7.7.1940 in Alexandria interniert und demobilisiert. Vier Tage zuvor hatte das britische Gibraltargeschwader in Mers el-Kebir bei Oran das französische Schlachtschiff Bretagne versenkt und Dunkerque und Provence schwer beschädigt (1147 Tote), weil Churchill befürchtete, die französische Flotte könne in die Hände der Deutschen fallen.

1942/43 scheiterten die deutsch-italienischen Bemühungen, den Nachschub über See für die in Nordafrika kämpfenden Truppen zu sichern. Die Schiffsverluste stiegen ständig an, und auch ein großer Teil der im Geleitdienst eingesetzten italienischen Zerstörer und Torpedoboote ging verloren. Mit der Landung der Alliierten in Marokko und Algerien am 7./8.11.1942 wendete sich das Kriegsglück im Mittelmeerraum endgültig (Operation "Torch"). Im Anschluss daran besetzten deutschen Truppen den bis dahin unbesetzten Teil Frankreichs. Am 27.11.1942 rückten deutsche Panzerverbände in Toulon ein ("Lila"), worauf Admiral Laborde den Befehl zur Versenkung der französischen Flotte in diesem Hafen gab: 61 Schiffe mit 225 000 t gingen unter oder wurden gesprengt, darunter drei Schlachtschiffe, ein Flugzeugmutterschiff, sieben Kreuzer, 25 Zerstörer, fünf Torpedoboote und 16 U-Boote; fünf weitere U-Boote konnten den Hafen verlassen.

Der fehlende Nachschub und die ständig wachsende Luftüberlegenheit der Alliierten zwangen die deutsch-italienische Heeresgruppe Afrika am 13.5.1943 in Tunesien zur Kapitulation. Anfang September 1943 schied Italien nach Entmachtung Mussolinis aus dem Krieg aus. Daraufhin entwaffneten deutsche Truppen die italienischen Streitkräfte ("Achse"). Ein kleiner Teil der italienischen Flotte fiel in deutsche Hand, alle noch intakten großen Einheiten ergaben sich den Alliierten: fünf Schlachtschiffe, ein Flugzeugmutterschiff, neun Kreuzer und zehn Zerstörer. Deutsche Bomber versenkten aus der italienischen Flotte das moderne Schlachtschiff Roma (1352 Tote).

Der Angriff auf die Sowjetunion am 22.6.1941 erforderte den Einsatz von Kräften der Kriegsmarine nun auch in der Ostsee, im Nordpolarmeer und im Schwarzen Meer. Die sowjetische Flotte im Baltikum besaß zwei Schlachtschiffe, zwei Schwere Kreuzer, zwei Flottillenführer, zwölf moderne und sieben alte Zerstörer, sieben Torpedoboote sowie 65 U-Boote. Die Nordmeerflotte war mit fünf modernen und drei alten Zerstörern, drei Torpedo- und 15 U-Booten schwach. Die sowjetische Schwarzmeerflotte verfügte über ein Schlachtschiff, zwei moderne und vier alte Kreuzer, drei Flottillenführer, acht neue und fünf alte Zerstörer (zwei neue kamen noch 1941 dazu), zwei Torpedoboote und 47 U-Boote. Die Marineluftwaffe umfasste 114 Flugzeuge bei der Nordflotte, 707 bei der Baltischen Flotte und 624 bei der Schwarzmeerflotte, insgesamt 1445 Maschinen (763 Jäger, 337 Bomber und 345 Flugboote).

Gegen diese beachtliche Streitmacht konnte die deutsche Kriegsmarine nur weit unterlegene Kräfte einsetzen, die meisten sowjetischen Schiffsverluste traten durch deutsche Minen und Luftangriffe ein, so zum Beispiel bei der Räumung der baltischen Häfen oder der Versorgung und Räumung von Sewastopol. Neben sechs U-Booten operierten 15 Schnellboote 1942-44 gegen den sowjetischen Schiffsverkehr im östlichen Schwarzen Meer mit mäßigem Erfolg. Zahlreiche kleine Fahrzeuge, wie die U- und S-Boote über Elbe und Donau herangebracht, dienten der Versorgung der vorstoßenden deutschen Truppen und bewährten sich bei den großen Räumungsaktionen (Kubanbrückenkopf und Krim). Die Reste der deutschen Seestreitkräfte im Schwarzen Meer wurden von der sowjetischen Luftwaffe in den Häfen zerbombt bzw. versenkten sich selbst nach dem Abfall Rumäniens im August 1944.

Der Eintritt der USA in den Krieg, der nach Pearl Harbor zum Weltkrieg wurde, befreite zwar die deutsche U-Boot-Führung von Einschränkungen im Handelskrieg (die US-Marine hatte auch vorher schon aktiv in die Bekämpfung der deutschen U-Boote eingegriffen, Kearney), brachte aber auch zugleich die zweitgrößte See- und die größte Industriemacht der Welt in den Seekrieg gegen Deutschland. Die deutschen U-Boot-Erfolge stiegen zunächst 1942 steil an (5,8 Millionen BRT). 238 neue Boote kamen neu in Dienst, 75 gingen verloren. Dennoch gelang es nie, den anschwellenden Nachschubraum für die UdSSR zu unterbinden, und auch die Versorgung Großbritanniens blieb intakt. Große Anstrengungen des amerikanischen Schiffbaus ermöglichten bis September 1943 den Ersatz der bis dahin versenkten Handelsschiffe, danach überstiegen die Neubauten die Versenkungen, und damit wurde endgültig klar, dass Deutschland den Zufuhrkrieg nicht gewinnen konnte. Zwar büßten noch im März 1943 vier alliierte Atlantik-Konvois 20 % ihrer Schiffe ein, so dass die Alliierten sogar die Aufgabe des Konvoi-Systems erwogen. Doch dann ergriffen die alliierten Gegenmaßnahmen und ließen im Mai 1943 die deutschen U-Boot-Verluste auf 41 hochschnellen. Am 24.5.1943 brach daher Großadmiral Dönitz, seit 31.1.1943 Nachfolger Raeders als Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, die Atlantikschlacht ab. Insgesamt versenkten die deutschen U-Boote 1943 noch 2,4 Millionen BRT beim Verlust von 239 Booten, denen 283 neu in Dienst gestellte gegenüberstanden.

Das Gros der deutschen Überwasserstreitkräfte war zu dieser Zeit in Nord-Norwegen stationiert, darunter das Schlachtschiff Tirpitz und der Schlachtkreuzer Scharnhorst. Als "Fleet in being" stellten sie eine Bedrohung der alliierten Konvois nach Nord-Russland dar, ihre Vorstöße brachten jedoch wenig Erfolg. Scharnhorst sank am 27.12.1943 in einem Seegefecht, Tirpitz fiel am 12.11.1944 britischen Bombern zum Opfer. Die schweren Verluste an regulären Kriegsschiffen verlagerten die Hauptlast des Seekriegs immer mehr auf Hilfsschiffe aller Art (ehemalige Handelsschiffe, Fischdampfer u.a.). Schließlich blieben die einzigen offensiven Einheiten die S-Boote, von denen während des Krieges 213 in Dienst gestellt wurden.

Verbesserte Abwehr der Alliierten durch speziell zur U-Boot-Bekämpfung gebaute neue Geleitfahrzeuge - Fregatten und Korvetten -, die in großer Zahl in Dienst gestellt wurden, und die zunehmenden Erfolge der alliierten Funkbeobachtung sorgten auch 1944 dafür, dass die deutschen U-Boote nie mehr die früheren Erfolgszahlen erreichen konnten. Außerdem nahm die Luftüberwachung ständig zu, U-Jagdgruppen wurden durch Flugzeugträger verstärkt. So konnten die deutschen U-Boote 1944 nur noch 701 906 BRT versenken. 230 U-Boote kamen neu in Dienst, 237 gingen verloren.

Mit der Tirpitz büßte die Kriegsmarine 1944 ihr letztes Schlachtschiff ein, dazu sieben Zerstörer, 16 Torpedoboote und 57 Schnellboote, davon die meisten im Invasions-Raum. Hier konnten die schwachen deutschen Verbände gegenüber einer enormen Übermacht an alliierten See- und Luftstreitkräften nicht viel ausrichten. Das Gros der Einheiten und Hilfsschiffe sank im Kampf oder wurde von alliierten Flugzeugen in See oder in den Häfen vernichtet, so am 14./15.6.1944 in Le Havre. Im Juni 1944 verloren die Alliierten im Invasionsraum als größte Kriegsschiffe lediglich neun Zerstörer, davon sechs durch Minen. Auch 1945 blieben die deutschen U-Boot-Erfolge mit 334 681 BRT gering. Die neuen U-Boote vom Typ XXI, die mit ihrer hohen Unterwassergeschwindigkeit der alliierten Schifffahrt noch hätten gefährlich werden können, kamen zu spät.

In der letzten Phase fasste die Kriegsmarine alle noch verbliebenen Kräfte in der Ostsee zusammen, um die Bevölkerung aus Ostpreußen und Pommern vor der Roten Armee zu retten. Über 2,5 Millionen Menschen brachte sie nach Westen in Sicherheit. Die dabei eingetretenen Verluste betrugen rund 14 000 Tote, für die das Schicksal der Goya und der Wilhelm Gustloff steht. Den Krieg überstanden von den großen Einheiten der Kriegsmarine lediglich der Schwere Kreuzer Prinz Eugen und die Leichten Kreuzer Nürnberg und Leipzig, außerdem 14 Zerstörer, 16 Torpedoboote (davon vier norwegische), 163 U-Boote (davon wurden noch zwei nach Kriegsende von ihren Besatzungen versenkt) und neben vielen Minensuchfahrzeugen und Hilfsschiffen aller Art 101 Schnellboote.

Während in Europa der Krieg zu Ende ging, tobte er im Pazifikraum in voller Stärke noch mehrere Monate weiter, bis die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki Japan zur Kapitulation zwangen. Nach dem Überfall von Pearl Habor (7.11.1941), bei dem es den Japanern gelang, mit einem Schlag die US-Pazifikflotte außer Gefecht zu setzen (acht Schlachtschiffe versenkt oder schwer beschädigt), und der Versenkung des britischen Schlachtschiffs Prince of Wales und des Schlachtkreuzers Repulse hatten die Japaner ziemlich ungestört ihre Landungsoperationen gegen die Philippinen, Malaya und Niederländisch Indien durchführen können. Erst die Träger-Luftschlacht bei Midway vom 3. bis 7.6.1942 stoppte den japanischen Siegeslauf: US-Trägerflugzeuge versenkten die großen japanischen Träger Akagi, Kaga, Soryu und Hiryu sowie den Kreuzer Mogami (3500 Tote, 253 verlorene Flugzeuge). Diesem Erfolg der US-Trägerkampfgruppen, die nach dem Ausfall der Schlachtschiffe zum Rückgrat der Seekriegführung geworden waren, stand der Verlust des US-Flugzeugträgers Yorktown gegenüber (307 Tote und 150 Flugzeuge verloren).

Mit der Landung des US-Marine-Korps auf der Salomon-Insel Guadalcanal (7.8.1942), um die monatelang erbittert gekämpft wurde, begannen die Amerikaner mit der Rückeroberung der verlorenen Gebiete, aber erst 1944 reichten die Kräfte aus, diese Rückeroberung in großem Umfang durchzuführen, wozu unter anderem die Bereitstellung der erforderlichen Amphibischen Streitkräfte gehörte. Das Inselspringen der Amerikaner ließ die Japaner eine Pazifik-Insel nach der anderen verlieren, wobei die Verteidiger, oft von allem Nachschub abgeschnitten, bis zur Vernichtung kämpften (Tarawa, Saipan, Kwajalein, Eniwetok, Tinian u.a.). Seit Februar 1944 setzten heftige Luftangriffe auf japanische Stützpunkte durch Trägerflugzeuge ein, bald verstärkt durch Fernbomber, die von den neugewonnenen Inseln aus starten konnten. Durch den uneingeschränkten U-Boot-Krieg der Amerikaner gegen die japanische Versorgungsschifffahrt und durch Luftangriffe erlitten die Japaner schwere Verluste an Transportschiffen, die durch Neubauten nicht mehr ersetzt werden konnten.

Am 15.6.1944 landeten die Amerikaner auf Saipan, und am 19./20.6. erlitten die Japaner in der See-/Luftschlacht in der Philippinensee - neun japanische gegen 15 US-Träger - eine schwere Niederlage: die Träger Shokaku, Taiho und Hiryu sowie über 400 Trägerflugzeuge gingen verloren und damit die Elite der japanischen Trägerpiloten. Vom 21.7. bis 11.8.1944 eroberten die Amerikaner Guam zurück, und am 19.10.1944 begann mit einer großangelegten Landungsoperation die Rückeroberung der Philippinen unter dem Schutz einer riesigen Armada, bestehend aus zwölf Schlachtschiffen, 32 Flugzeugträgern, 23 Kreuzern, 94 Zerstörern und Hunderten von kleineren Schiffen.

Hiergegen wandte sich vom 22. bis 25.10.1944 ein Großangriff der japanischen Flotte, die dafür neun Schlachtschiffe, vier Flugzeugträger, 19 Kreuzer und 34 Zerstörer aufbot. Sie erlitt in der Schlacht im Leytegolf durch den Verlust von drei Schlachtschiffen, aller Träger, neun Kreuzern und neun Zerstörern eine vernichtende Niederlage, der die Versenkung von nur drei US-Trägern und drei Zerstörern gegenüberstand. Der Ausgang der Schlacht, den auch der erste Einsatz von Kamikaze-Fliegern nicht zu ändern vermocht hatte, besiegelte das Schicksal der Philippinen. Währenddessen begann ein gnadenloser Luftkrieg gegen das japanische Mutterland. Am 1.4.1945 landete die 10. US-Armee auf der Insel Okinawa. Hier erlosch der organisierte Widerstand am 22.6.1945, nachdem als letzte größere japanische Flottenoperation am 7.4.1945 ein Selbstopferangriff einer Kampfgruppe gescheitert und das Superschlachtschiff Yamato gesunken war.

Systematische Zerstörung der japanischen Industriezentren und Hafenanlagen führte zu raschem Absinken der japanischen Verteidigungskraft und sollte der Vorbereitung einer Großlandung auf den japanischen Hauptinseln dienen, die sich aber durch den Einsatz der Atombombe und den Kriegseintritt der Sowjetunion erübrigte. Die Kaiserliche Marine hatte im Kampf gegen die Alliierten elf Schlachtschiffe, 20 Flugzeugträger, 37 Kreuzer, zwei Flugzeugmutterschiffe, zwei Küstenpanzerschiffe, 118 Zerstörer, 21 Geleitzerstörer, 16 Torpedoboote und 127 U-Boote verloren, übrig blieben nur ein Schlachtschiff, drei Flugzeugträger, vier Kreuzer, 16 Zerstörer, vier Torpedoboote, 24 Geleitzerstörer und 46 U-Boote. Von der japanischen Handelsflotte, die im Dezember 1941 rund 6 Millionen BRT umfasste, blieben rund 1,5 Millionen BRT übrig. Den größten Anteil daran hatten die amerikanischen U-Boote; auf ihr Konto ging die Versenkung von 1178 Handelsschiffen mit 5 053 491 BRT. Diese hohen Verluste konnte die japanische Industrie niemals ersetzen, obwohl sie große Anstrengungen unternahm. Sie baute 1943 über 700 000 BRT und 1944 sogar 1 700 000 BRT neu. Konnten japanische Handelsschiffe 1942 noch 41,5 Millionen Gewichtstonnen Ladung transportieren, so sank die Zahl 1943 auf 30,5 Millionen und 1944 auf 13 Millionen Tonnen.