Saint-Nazaire

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    westfranzösischer Hafenstadt am rechten Ufer der Loiremündung mit 46 000 Einwohnern (1939). Im Frankreichfeldzug wurden zwischen 16. und 18.6.40 von Saint-Nazaire aus 52 235 französische und britische Soldaten vor den anrückenden deutschen Truppen nach Großbritannien eingeschifft. Am 1.6.40 besetzte die deutsche 11. Schützenbrigade die Stadt, der Hafen wurde zu einem der bedeutendsten deutschen U-Boot-Stützpunkte (6. und 7. U-Flottille) ausgebaut, die Werftanlagen dienten der Kriegsmarine als Reparatur- und Neubaubetriebe. Das so genannte Normandiedock (Name vom dort gebauten französischen Luxusliner) in Saint-Nazaire war zudem das einzige, das Schlachtschiffe der Tirpitz-Klasse aufnehmen konnte. Dagegen v.a. richtete sich am 28.3.42 das britische Kommandounternehmen "Chariot": Nach einem ablenkenden Luftangriff auf die Stadt näherte sich von See ein Konvoi mit dem Zerstörer Campbelltown, der eine Zeitzündersprengladung mit sich führte, und 2 Begleitzerstörern sowie 16 Vorpostenbooten mit insgesamt 353 Mann Besatzung und 258 Kommandosoldaten mit Sabotageauftrag. Der Verband wurde kurz vor dem Ziel von deutschen Suchscheinwerfern erfasst und erlitt schon im Anlaufen schwere Verluste. Dennoch gelang das Rammen der äußeren Dockschleuse durch den Sprengzerstörer und das Ausschiffen der meisten Kommandos. Sie wurden aber von den deutschen Batterien an der Alten Mole und am Bassineingang unter schweres Feuer genommen, sodass die meisten fielen oder in Gefangenschaft gerieten. Als von See her zudem die deutsche 5. Torpedobootflottille zu Hilfe kam, gelang nur noch 4 Vorpostenbooten die Rückkehr nach England. Von den 277 Mann des Kommandos kehrten 208 nicht zurück, die Zivilbevölkerung hatte Verluste durch das Bombardement und durch deutsche Verteidiger bei der Suche nach versprengten Saboteuren. Die Campbelltown explodierte erst am Vormittag des 28.3. und zerstörte das Tor völlig; 120 deutsche Offiziere und Experten, die das Schiff gerade untersuchten, kamen bei der Explosion ums Leben. Dieser britische Erfolg hatte keine sonderlichen Nachteile für die Kriegsmarine, da eine Atlantikkriegführung mit Überwasserstreitkräften nicht mehr vorgesehen war. Als U-Boot-Basis blieb Saint-Nazaire erhalten, das nach der Invasion zur Atlantikfestung erklärt wurde und erst am 8.5.45 kapitulierte. Teile der Zivilbevölkerung waren vorher schon vom Roten Kreuz evakuiert worden.