Südafrikanische Union

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Staat im südlichsten Teil Afrikas und Dominion im Britischen Commonwealth; 1,2 Millionen km², 10,5 Millionen Einwohner (1940), davon etwa 2 Millionen Weiße; Regierungssitz Pretoria, Parlamentssitz Kapstadt. Die Südafrikanische Union trat am 6.9.39 in den Krieg ein. Vorangegangen war eine Kampfabstimmung: Ministerpräsident Hertzog hatte als Sprecher der burischen Nationalpartei für Neutralität plädiert, jedoch eine Abstimmungsniederlage erlitten (60:87) und seinen Rücktritt erklärt. General Smuts, schon im 1. Weltkrieg Mitglied des britischen Kriegskabinetts, Vorsitzender der Unionspartei, übernahm als Repräsentant der gemäßigten Buren und der englischsprachigen Minderheit die Regierung. Seine zweite Kriegsallianz mit der ehemaligen Kolonialmacht blieb innenpolitisch umstritten, da ein Teil der Afrikaans sprechenden Buren traditionell englandfeindlich eingestellt war. Rechtsextreme Kreise um den späteren Ministerpräsidenten Malan sympathisierten offen mit den Achsenmächten.

    Die südafrikanischen Streitkräfte rekrutierten sich ausschließlich aus Freiwilligen; nur Weiße durften Waffen tragen. Insgesamt meldeten sich 345 000 Mann, sodass die Südafrikanische Union beträchtliche Truppenkontingente zu den Feldzügen in Ost- und Nordafrika entsenden konnte. Nach dem Fall von Tobruk (21.6.42) gingen 13 000 Südafrikaner unter General Kloppers in deutsch-italienische Gefangenschaft. Südafrikanische Einheiten beteiligten sich 1942 an der Besetzung Madagaskars, später an den Kämpfen in Italien und in Burma. Die Luftstreitkräfte machten für Operationen in Ostafrika und im Mittelmeerraum 18 Staffeln mobil. Für Transportzwecke wurden aus den Beständen der South African Airways Verkehrsmaschinen vom Typ Ju 52 requiriert, sodass dieses Baumuster auf beiden Seiten der Front zu finden war. Südafrikaner dienten zusammen mit Freiwilligen aus anderen Teilen des Commonwealth bei den britischen Luftstreitkräften und zeichneten sich als Jagdflieger aus: Zu den RAF-Assen mit 20 und mehr Abschüssen zählten vier Südafrikaner.

    Wirtschaftlich unterstützte die Südafrikanische Union die alliierten Kriegsanstrengungen als Rohstoff- und Waffenlieferant. Da die Zufuhren aus Großbritannien ausblieben, ging die Südafrikanische Union verstärkt zu Eigenproduktion von Konsumgütern und Maschinen über. Die Industrialisierung nahm einen rapiden Aufschwung. Entsprechend wuchsen die städtische Bevölkerung und das Heer der schwarzen Lohnarbeiter, was wiederum den sozialen Wandel vom Agrar- zum Industrieland bedeutete.