Rote Kapelle

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    von der Gestapo geprägte Bezeichnung für eine sowjetische Spionage- und Widerstandsorganisation unter Leo Trepper (1904-1982), seit 1938 entstanden. Trepper, der Zweigstellen in Den Haag, Marseille, Nizza, Genf, Bern, Basel und Schweden errichtete, fand auch Kontakt zu einer Gruppe deutscher Gegner des Nationalsozialismus um den Offizier Schulze-Boysen und den Oberregierungsrat im Wirtschaftsministerium Arvid von Harnack (1901-1942), die Kern der deutschen Sektion Rote Kapelle wurden und Nachrichten für die UdSSR beschafften, da sie einen Sieg über Hitler nur mit Unterstützung von außen für möglich hielten. Ein Netz von Mitgliedern sorgte durch wechselnde Standorte für kontinuierlichen Funkkontakt mit den sowjetischen Stellen, die bis 1943 rund 1500 Funksprüche über deutsche Agenten, Aufmarschpläne, neue Waffen u.a. auffingen. Die deutsche Abwehr richtete im Juli 42 ein Sonderkommando Rote Kapelle ein, dem schon im August 42 die führenden Mitglieder ins Netz gingen. Nach Folterungen wurden sie fast ausnahmslos als "Volksverräter" zum Tod verurteilt und hingerichtet. Die Rote Drei, Schweizer Zweig der Roten Kapelle, setzte ihre Tätigkeit bis zur Auflösung der Organisation 1943 fort.