Rohstoffbewirtschaftung

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Maßnahmen der Kontrolle, Rationierung und Zuteilung wichtiger Rohstoffe an die verarbeitende Industrie. Mit dem Vierjahresplan (1936) strebte das Deutsche Reich die Unabhängigkeit von Auslandslieferungen (Autarkie) an und weitete die Kontrolle über militärisch bedeutsame Rohstoffe aus. Die schon 1934 errichteten Überwachungsstellen zur Devisenkontrolle im Außenhandel erhielten erweiterte Kompetenzen. Doch noch 1939 kamen ca. 45% der Rohstoffe aus dem Ausland. Mit Kriegsbeginn übernahmen Reichsstellen zur Rohstoffbewirtschaftung die Aufgabe, die jeweils benötigten Rohstoffe an die Betriebe zu verteilen, womit sie zugleich steuernd in den Produktionsprozess eingriffen. Nach Industriezweigen gegliedert, bestanden die Reichsstellen im Wesentlichen aus den alten Industrieverbänden der Unternehmer, die praktisch die Kontrolle über die vierteljährliche Rohstoffzuteilungen nach ihren Interessen ausübten, was die Rohstoffbewirtschaftung nicht nur ineffektiv machte, sondern auch die kriegswirtschaftlichen Planungen behinderte. Nach Scheitern der Blitzkriegsstrategie leitete das Reichsministerium für Bewaffnung und Munition eine grundsätzliche Wende in der Rohstoffbewirtschaftung ein. Sie wurde vereinheitlicht und vereinfacht sowie unter strenge staatliche Aufsicht gestellt. Die "Zentrale Planung" setzte globale Rohstoffkontingente für die verschiedenen Bereiche fest, was von den Betrieben rationelleren und koordinierten Einsatz verlangte. Solange bei der Rohstoffversorgung auf die Ausplünderung der besetzten Gebiete zurückgegriffen werden konnte, war diese Form der Rohstoffbewirtschaftung relativ erfolgreich.