Riom

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    zentralfranzösische Stadt im Departement Puyde-Dôme nördlich von Clermont-Ferrand. In Riom fand vor dem obersten Gerichtshof von Vichy-Frankreich vom 19.2. bis 11.4.42 ein Prozess gegen führende Politiker und Militärs der III. Republik statt. Die Regierung Pétain hatte das Sondertribunal unmittelbar nach der Niederlage am 30.7.40 ins Leben gerufen, um die Hauptverantwortlichen für die mangelhafte französische Kriegsbereitschaft zu ermitteln und abzuurteilen. Inhaftiert und angeklagt wurden die beiden ehemaligen Ministerpräsidenten Blum und Daladier sowie drei ihrer wichtigsten Mitarbeiter, darunter Luftfahrtminister La Chambre und Generalstabschef Gamelin. Der Prozess löste innerhalb und außerhalb des Gerichtssaals heftige Kontroversen aus. Die einseitige Auswahl der Angeklagten und der Anklagepunkte machte offenkundig, dass es weniger um eine Klärung der militärischen Katastrophe als um nachträgliche Schuldzuweisungen an einstige politische Gegner ging. Brisante Fragen wie etwa die Mitverantwortung von Marschall Pétain für Frankreichs veraltete Militärdoktrin blieben ausgeklammert. Da das Verfahren die erwünschte öffentliche Wirkung verfehlte, wurde es noch während der Beweisaufnahme stillschweigend vertagt. Die Vichy-Regierung löste den Gerichtshof auf Weisung der deutschen Besatzungsbehörden im Mai 43 auf. Blum, Daladier und Gamelin, die drei prominentesten Angeklagten, waren inzwischen nach Deutschland deportiert worden.