Rheinwiesenlager

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    umgangssprachliche Bezeichnung für die von den amerikanischen Truppen nach Überschreiten des Rheins errichteten Prisoner of War Transient Enclosures (PWTE), Gefangenenlager mit einer Aufnahmekapazität von 1,3 Millionen Mann. Die Rheinwiesenlager entsprachen in etwa den in Frankreich und Belgien verwendeten Continental Central Prisoner of War Enclosures und waren in "Compounds" oder "Cages" unterteilt, die von Gefangenen geführt wurden. Die deutschen "Compounds-leader" wurden von einer ebenfalls aus deutschen Soldaten gebildeten Lagerpolizei unterstützt, die nicht selten ihre Kameraden schikanierte (z. B. in Rheingönnheim, Rheinberg, Bretzenheim). Unterkünfte waren in den Rheinwiesenlagern nicht vorhanden; jeder Kompanie wurde "mit einer Armbewegung" ein Stück freies Gelände zugewiesen (Bad Kreuznach), das mit Stacheldraht umzäunt war oder wurde. Die Gefangenen gruben sich Erdlöcher, die bei anhaltendem Regen oft einstürzten (Rheinberg, Bretzenheim), sodass zahlreiche Landser erstickten. Verpflegung gab es in den ersten Tagen nicht, erst nach einiger Zeit wurden Brotrationen verteilt (1 Brot für 25 Mann z.B. in Remagen und Bad Kreuznach). Durch Korruption der deutschen Lagerverwaltung und des amerikanischen Aufsichtspersonals verschwanden z.T. ganze Wagenladungen mit Lebensmitteln (Ludwigshafen, Neustadt), was die Versorgungslage noch verschärfte und zuweilen zu Kameradendiebstahl und Selbstjustiz führte (u.a. Bad Kreuznach, Bretzenheim).

    Die Amerikaner versuchten ohne Erfolg, das Ernährungsproblem in den Rheinwiesenlagern durch Entlassung von Kranken, Verwundeten und Jugendlichen zu lösen. Erst nach Wochen besserten sich die Lebensverhältnisse, Zelte wurden als Unterkünfte zur Verfügung gestellt, und die Verpflegungssätze stiegen langsam, aber stetig. Am 12.6.45 wurden die Rheinwiesenlager Rheinberg (94 788 Mann) sowie Wickrathberg (84 370) den Briten und am 10.7.45 die Rheinwiesenlager Sinzig (25 200), Andernach (16 600), Siershahn (25 000), Bretzenheim (17 200), Dietersheim (33 600), Koblenz (21 600) sowie Dietz (22 000) den Franzosen übergeben. Die Angaben über die in den Rheinwiesenlager umgekommenen deutschen Soldaten schwanken erheblich; aus Aufzeichnungen der Besatzungsmächte und Mitteilungen der deutscher Gemeindeverwaltungen ergeben sich etwa 5300 Todesopfer.