Remagen

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Die "Ludendorff-Eisenbahnbrücke" bei Remagen fiel am 7. März 1945 den Amerikanern in die Hände.

    deutsche Stadt nördlich von Koblenz am linken Rheinufer mit 5505 Einwohnern (1939). Remagen war seit 1918 mit dem anderen Flussufer durch die Ludendorff-Eisenbahnbrücke verbunden, die am 7.3.45 zum Sprungbrett der zur alliierten 12. Heeresgruppe (Bradley) gehörenden 1. US-Armee (Hodges) ins Innere Deutschlands wurde: Eine Vorhut der 9. US-Panzerdivision (Leonard) unter dem deutschstämmigen Leutnant Karl Timmermann (geboren Frankfurt 1919) mit einer Gruppe von Schützenpanzern und einem Zug Pershing-Tanks erreichte gegen Mittag den Apollinarisberg über Remagen und entdeckte die unversehrte Brücke, über die zahlreiche deutsche Soldaten und Zivilisten nach Osten flohen. Timmermann erhielt Befehl vom vorgesetzten General William Hoge, den Übergang vor der drohenden Sprengung zu nehmen. Das MG-Nest in einem der Brückentürme wurde durch Panzerbeschuss ausgeschaltet. Während deutsche Pioniere sich vergeblich um Zündung der Sprengkammern bemühten und nur den Mittelpfeiler leicht beschädigen konnten, stürmten die GIs, voran Unteroffizier Alex Drabik, über die Gleise zum rechten Rheinufer. Der gegen die ursprünglichen Pläne unternommene Übergang wurde am Abend vom alliierten Oberbefehlshaber Eisenhower genehmigt. Innerhalb von 24 Stunden bildeten 8000 Mann einen nicht mehr zu beseitigenden Brückenkopf am Ostufer, und noch bis zum 17.3. rollte der Nachschub für schließlich 4 komplette Divisionen über die Brücke von Remagen, ehe sie unter den Belastungen zusammenbrach (46 Todesopfer). Die deutschen Versuche, sie durch Stuka-Angriffe, Kampfschwimmer oder Artilleriebeschuss zu zerstören, scheiterten an der amerikanischen Luftüberlegenheit; selbst der Einsatz von 11 Fernraketen V 2 aus dem Raum Arnheim blieb ohne Ergebnis.

    Der unvermutet rasch gelungene Sprung über den Rhein beschleunigte den alliierten Vormarsch um mehrere Wochen. Die deutsche Niederlage hatte ihren Grund v.a. in unklarer Befehlsstruktur, unzulänglicher Aufklärung, pausenlosen alliierten Luftangriffen und Behinderungen durch Flüchtlinge. Hitler machte 5 im Brückenbereich eingesetzte Offiziere als "Verräter von Remagen" verantwortlich und ließ sie zum Tod verurteilen: die Majore Scheller, Strobel und Kraft, Hauptmann Blatge und Oberleutnant Peters; nur Blatge entkam, weil er vorher in US-Gefangenschaft geriet.