Reichsministerium für Bewaffnung und Munition

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    am 17.3.40 unter Fritz Todt (vorher Generalinspekteur für Sonderaufgaben des Vierjahresplans) geschaffenes Ressort. Hauptaufgaben des Reichsministeriums für Bewaffnung und Munition waren anfangs Rationalisierung, Kostenminderung und Senkung des Rohstoffverbrauchs in der Rüstungsindustrie; ihre Betriebe wurden zu Produktionsausschüssen zusammengefasst. Unter Einschluss kompetenter Industrie- und Wehrmachtvertreter wurden die Kapazitäten erfasst, Planungen abgestimmt, Aufträge nach wirtschaftlichen Kriterien vergeben und strenge Rohstoffkontingentierungen festgelegt. Daneben arbeiteten Entwicklungsausschüsse an der Standardisierung von Waffentypen und rationelleren Fertigungstechniken. Das System ließ der Industrie relativ viel Spielraum und "Selbstverantwortung". Es förderte die weitere Konzentration der Wirtschaft und die Verschmelzung von nationalsozialistischem Regime und Industrie. Durch das Ende 41 auf Initiative des Reichsministeriums für Bewaffnung und Munition eingeführte "Festpreissystem" konnten deutl. Erfolge auf dem Rationalisierungs- und Kostensektor erzielt werden. Nach Kriegseintritt der USA und ersten Rückschlägen für die deutsche Wehrmacht im Osten Anfang 42 wurde auch der nationalsozialistischen Führung klar, dass die "Tiefenrüstung" verstärkt werden musste und eine Abkehr von der Strategie der Blitzkriege unvermeidlich war. Bevor jedoch Todt sein System ausweiten konnte, kam er unter mysteriösen Umständen bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Zwar besaß sein Reichsministerium für Bewaffnung und Munition noch nicht die Kompetenzen des späteren Ministers Speer, doch stellte Todt Weichen entscheidend und erweiterte seinen Einfluss auf Kosten des Reichswirtschaftsministeriums und des Wehrwirtschaftsamts. Der Gesamtzuwachs der Rüstungsproduktion von über 50% im ersten Halbjahr 42 ging eher auf seine Reformen zurück als auf den Nachfolger Speer.