Reeducation

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    allgemein politische Umerziehung, im engeren Sinn demokratische Schulung deutscher Gefangener v.a. in Großbritannien. In keinem anderen Land war die Reeducation so erfolgreich; Grundlage war das so genannte Screening (Aussieben), die politische Einstufung der Gefangenen u.a. im Wege der Befragung, was schon 1944 einsetzte, als man politisch unbelastete deutsche Soldaten für Arbeiten außerhalb der Lager suchte. Mit Hilfe der auf den Prisoner of War Index Cards (Kennkarten) festgehaltenen Einstufungen begann die Arbeit der Umerzieher (Training Advisors). Sie hatten die politische "Farbe" des Lagerinsassen festzustellen (A = weiß, B = grau, C = schwarz) sowie Möglichkeiten für die Reeducationarbeit vorzuschlagen und diese zu organisieren. Als Mittel der Reeducation kamen z.B. Vorträge, Arbeitsgemeinschaften, Filme und Rundfunk in Frage. Zur Intensivierung der Arbeit wurden Training Centers in Wilton Park (Buckinghamshire), Lager 300, und in Radwinter bei Saffron Walden (Essex), Lager 180, eingerichtet. Die Training Advisors erhielten im Lauf der Zeit weitere Aufgaben, z.B. Berichterstattung über die Verhältnisse in den Lagern, Lösung von Problemen bei der Entlassung, Verbesserung der Beziehungen zwischen Gefangenen und Zivilbevölkerung. Die Reeducationarbeit wurde im Juli 47 eingestellt. Ihr Erfolg wird verschiedentlich damit abgewertet, dass viele Gefangene sich beim Screening und der späteren Demokratisierungsarbeit verstellt haben dürften, zumal eine gewisse Einstufung Vorteile brachte (z.B. vorzeitige Entlassung der A-Kategorie). Im Hinblick auf die Verhältnisse in den Lagern - inbesondere die anhaltenden Spannungen zwischen fanatischen Hitleranhängern und Gegnern des Nationalsozialismus - war jedoch eine Verstellung schlecht möglich.