Radar

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Angloamerikanisches Flakgeschütz mit Radargerät

    englische Abkürzung für Radio detecting and ranging (deutsch Funkmess und Funkortung), mit elekromagnetischen Wellen arbeitendes Verfahren zur Ortung von Flugzeugen, Schiffen u.a., auch als Navigationshilfe verwendet. Großbritannien, das in den 1930er Jahren auf alliierter Seite Pionierarbeit auf dem Gebiet der Funkortung leistete, benutzte zunächst die Abkürzung RDF (Radio direction finding) und übernahm erst später den aus dem Amerikanischen stammenden Begriff Radar. Die Briten setzten wegen ihrer insularen Lage die Radartechnik vorrangig in der Luftverteidigung ein und verfügten dank der Weitsicht wissenschaftlicher RAF-Berater wie Robert Wattson-Watt oder Henry Tizard bei Kriegsbeginn unter der Tarnbezeichnung "Chain Home" über ein funktionsfähiges Frühwarnsystem, das 18 Stationen entlang der Süd- und Ostküste zwischen Portsmouth und Aberdeen umfasste. Sie meldeten schon auf 160 km Entfernung anfliegende Maschinen, was zusammen mit "Ultra" dem Fighter Command in der Luftschlacht um England einen entscheidenden taktischen Vorsprung gegenüber den deutschen Bombern sicherte. Vom bodenständigen Luftwarnzaun weitete sich die Radartechnik auf immer neue Anwendungsgebiete aus: Feuerleitsysteme, boden- oder bordgestützte Navigation für Flugzeuge, U-Boot-Ortung, Nachtjagd u.a. Bei der Seeschlacht von Matapan (28.3.41) wurde ein italienischer Kreuzerverband von der britischen Mittelmeerflotte mit Radarhilfe vernichtend geschlagen, am 24.5.41 blieb das deutsche Schlachtschiff Bismarck Sieger über die britischen Gegner Hood und Prince of Wales, weil das im Bereich der Dezimeterwellen arbeitende Funkmessgerät Seetakt den britischen Radarhilfen noch überlegen war.

    Radargerät der angloamerikanischen Luftwaffe

    Das änderte sich mit dem Durchbruch, den Wissenschaftler der Universität Birmingham wenig später erzielten: Ihr Magnetron, eine leistungsstarke Senderöhre für scharf gebündelte Zentimeterwellen, bescherte den Angloamerikanern seit 1942/43 in allen Bereichen des Radars eine klare Überlegenheit und führte u.a. zur siegreichen Wende in der Atlantikschlacht. Weiterentwicklungen wie das H2S-Navigations- und Zielfindungsradar ermöglichten den alliierten Bomberflotten bei Tag und Nacht das Operieren über dem Reichsgebiet unabhängig von eletronischen Leitstrahlen. Auch im Pazifik signalisierte der wachsende Antennenwald auf den Einheiten der US-Navy den Siegeszug der lautlosen Waffe; die japanische Marine konnte ihren hoffnungslosen Rückstand nicht mehr aufholen. Alles, was mit Radar zusammenhing, war während des Krieges von dichtem Geheimnisschleier umgeben. Beide Seiten arbeiteten an immer neuen Methoden zur Blendung der elektronischen Augen des Gegners (u.a. "Window") oder zur Nutzung der feindlichen Radarimpulse für die eigene Abwehr (z.B. Naxos). So entwickelte sich seit 1943 ein regelrechter Hochfrequenzkrieg, der die Perfektionierung des Radars enorm beschleunigte und die Nachkriegsnutzung in Meteorologie, Astronomie, Flugsicherung, Verkehr u.a. entscheidend voranbrachte.