Ränneslätt

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    neben Backamo eines der großen Lager für deutsche Militärinternierte in Schweden. Ränneslätt bestand aus dem Hauptlager mit etwa 600 Mann und einem kleinen Nebenlager mit 167 Soldaten der Wehrmacht bzw. Waffen-SS baltischer Volkszugehörigkeit. Das Lager war organisiert wie die anderen (schwedischer Kommandant, deutsche Verwaltung); Versorgung und Unterbringung waren gut. Einige Wochen nach der Einlieferung wurden die Internierten zu Wald-, Straßenbau- und Feldarbeiten herangezogen. Neben der Arbeit hatten sie jedoch ausreichend Zeit zur Freizeitgestaltung. Während in anderen Lagern das Leben bis zur Bekanntgabe der Auslieferung an die UdSSR durchweg ruhig verlief, kam es in Ränneslätt mehrfach zu Unruhen zwischen zwei politischen Gruppen. Die Ordnung wurde schließlich durch Versetzung der angeblichen Unruhestifter, der so genannten demokratischen Gruppe, wieder hergestellt. Fälle von Selbstjustiz belasteten zudem das Klima. So verurteilte ein "Lagerkriegsgericht" Kameraden, die vor der Kapitulation nach Schweden geflüchtet waren, zum Tode. Die Vollstreckung des "Urteils" konnte im letzten Augenblick durch die schwedische Lagerleitung verhindert werden. Nach Bekanntwerden der Auslieferung an die UdSSR am 24.11.45 kam es auch in Ränneslätt zu Protesten. Am Tag des Abtransports banden sich die Internierten zusammen; der Lagerälteste stieß sich beim Versuch der Polizei, die Bande zu lösen, einen Dolch in die Brust; 74 Fälle von Selbstverstümmelung folgten. Nachdem der Widerstand gewaltsam gebrochen war, wurden die Insassen von Ränneslätt in zwei Transporten im Dezember 45 in die Sowjetunion verbracht.