Prag

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Hauptstadt der Tschechoslowakei und seit der deutschen Besetzung (15.3.39) Sitz des Reichsprotektors für Böhmen und Mähren, rund 1 Million Einwohner (1939). Prag, das wegen seiner Lage lange von direkter Kriegseinwirkung verschont blieb, war am 27.5.42 Schauplatz des Attentats auf den stellvertretenden Reichprotektor Heydrich. Die bis dahin relativ vorsichtige Behandlung der für die deutschen Rüstungsindustrie wichtigen Bevölkerung (u.a. Hydrieranlagen in Brüx, Skoda-Werke) schlug abrupt in brutale Unterdrückung um (z.B. Lidice) und führte bei Herannahen der Roten Armee am 5.5.45 zum Aufstand tschechischer Nationalisten in Prag, die durch Selbstbefreiung den sowjetischen Truppen zuvorkommen wollten und auf die 3. US-Armee (Patton) hofften, die auf 60 km an Prag herangekommen war. Generalfeldmarschall Schörner, Oberbefehlshaber der im Raum Prag stehenden deutschen Heeresgruppe Mitte, fürchtete um seine Rückzugswege nach Westen und ließ angreifen, sodass es v.a. am 7./8.5. zu schweren Straßenkämpfen kam, die durch das Überlaufen von Teilen der Wlassow-Armee zu den Aufständischen noch an Heftigkeit zunahmen. Vorschläge von US-General Patton, auf Prag zu marschieren und die Widerstandskämpfer zu entsetzen, wurden mit Rücksicht auf den sowjetischen Verbündeten von Eisenhower verboten, eine bereits in Marsch gesetzte Vorausabteilung amerikanischer Panzer ließ er zurückbeordern. Am 9.5. drangen Einheiten der sowjetischen 3. Gardepanzerarmee (Rybalko) in Prag ein und beendeten bis 10.5. die Kämpfe.