Polikarpow

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Polikarpow I-16 Typ 24 Mosca - 1941

    Typenbezeichnung für Flugzeuge des sowjetischen Konstrukteurs Nikolai N. Polikarpow (1892-1944). Polikarpow entwarf in den 1920er und 30er Jahren die ersten Jagdflugzeuge sowjetischer Bauart, darunter den Doppeldecker I-15 von 1933 (3082 Stück gebaut) und dessen Weiterentwicklung von 1938 I-153 (3437 Stück). Bekannt wurde Polikarpow jedoch v.a. als Schöpfer der I-16, Erstflug 31.12.33. Aus dem Spanischen Bürgerkrieg wegen ihrer kurzen, gedrungenen Form unter dem Spitznamen Rata (Ratte) bekannt, verkörperte die Polikarpow I-16 den technischen Durchbruch vom drahtbespannten Doppeldecker zum freitragenden Jagdeindecker mit einziehbarem Fahrwerk. Im Herbst 36 tauchten die ersten I-16 auf republikanischer Seite in Spanien auf, wo sie sich beim Debüt an der Front vor Madrid den deutschen He-51-Doppeldeckern der Legion Condor klar überlegen zeigten. Beim deutschen Überfall 1941 bildeten Polikarpow I-16 immer noch das Rückgrat der sowjetischen Fliegertruppe. Hunderte von Maschinen wurden bereits in den ersten Stunden des Russlandfeldzugs auf ihren ungesicherten Feldflugplätzen am Boden zerstört oder bei verlustreichen Tiefangriffen geopfert. Inzwischen gegenüber etwa der Me 109 technisch unterlegen, versuchten sowjetische Piloten dies dadurch wettzumachen, dass sie einzeln fliegende He 111 oder Ju 88 per Rammstoß vom Himmel holten. Bei der Truppe hieß der robuste Jäger, der im Winter auf Kufen startete, "Ischak" (Eselein). Daten der letzten Standardserie Typ 24: 1x1000-PS- Sternmotor Schezow M 62, maximal 525 km/h auf Meereshöhe, 2x20-mm Kanonen und 2x7,62-mm-MG, bis zu drei 82 mm-Raketen RS-82 unter jeder Tragfläche, Reichweite 400 km; insgesamt wurden rund 20 000 Rata gebaut.

    Als langlebigste Polikarpow erwies sich die Po-2, ein unkompliziertes Schul- und Verbindungsflugzeug von 1927, das noch bis 1952 in rund 20 000 Exemplaren hergestellt wurde. Der stoffbespannte Doppeldecker machte sich seit Herbst 41 in wachsender Zahl als Nachtbomber im frontnahen Gebiet bemerkbar, wobei die psychologische die militärische Wirkung bei weitem übertraf: Mit Splitterbomben und einem leichten MG bestückt, griffen die zweisitzigen Störflugzeuge ihre Ziele mit abgestelltem Motor im Gleitflug an. Andere Po-2 flogen mit Lautsprechern Propagandaeinsätze. Nach dem charakteristischen Surren ihres 110-PS-5-Zylinder-Sternmotors waren die Po-2 auf deutscher Seite als "Nähmaschine" oder "Kaffeemühle" bekannt.