Polen

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    östliche Nachbarstaat des Deutschen Reiches mit 390 000 km² und 34,8 Millionen Einwohnern (1939), Hauptstadt Warschau. Die Entwicklung des jungen Polen (entstanden 1918) war geprägt von der Lage zwischen den übermächtigen unmittelbaren Nachbarn Sowjetunion und Deutsches Reich, deren offenbar unüberbrückbare ideologische Differenzen in den 1930er Jahren dem Land eine trügerische Sicherheit gaben und zu riskanter Schaukelpolitik verführten. Das lieferte nach Verweigerung der Rückgabe Danzigs und der harten Haltung in der Korridorfrage im Frühjahr 39 Hitler den Vorwand zur Kündigung des deutsch-polnischen Nichtangriffspakts von 1934. Da Polen zugleich Durchmarschrechte für die Rote Armee ablehnte, scheiterten die Verhandlungen der Westmächte mit Moskau, was schließlich zum Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffsvertrag vom 23.8.39 und zum deutschen Polenfeldzug führte. Polen verschwand vorübergehend von der Landkarte, bestand aber völkerrechtlich durch eine Exilregierung in London weiter, die auch ein eigenes Truppenkontingent unter Anders für den Krieg gegen Deutschland mit britischer Hilfe aufstellen konnte. Aber auch im Lande bildete sich angesichts der brutalen deutschen Besatzungspolitik im Generalgouvernement (5-6 Millionen Todesopfer, darunter 3 Millionen durch die Judenverfolgung) ein Untergrundstaat mit einer eigenen Heimatarmee, die wegen ausbleibender sowjetischer Hilfe im Warschauer Aufstand (August bis Oktober 44) unterging. Das belastete die wegen Katyn ohnehin gespannten Beziehungen zwischen der Exilregierung und Stalin, der mit einem in Lublin gebildeten kommunistischen Komitee nach der Eroberung Polens vollendete Tatsachen und alle Voraussetzungen für die Bolschewisierung des Landes schaffte. Es verlor nach dem Krieg das schon 1939 vorübergehend von der Roten Armee besetzte Ostpolen und wurde im Westen durch die deutschen Gebiete hinter der Oder-Neiße-Linie entschädigt.