Partisanen

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Hinrichtung partisanenverdächtiger russischer Frauen

    Zivilisten oder nicht zu den regulären Truppen gehörende Kombattanten, die einzeln oder in Gruppen aus dem Hinterhalt im Operationsraum oder den besetzten Gebieten den Feind bekämpfen. Die deutsche Wehrmacht behandelte eingebrachte Partisanen in der Regel nicht als Kriegsgefangene, da ihnen nach deutscher Auffassung der Kombattantenstatus im Sinne des Völkerrechts fehlte (so auch der Militärgerichtshof V der USA im Urteil vom 19.2.48 gegen Generalfeldmarschall List u.a.). Partisanen traten in allen von der Wehrmacht besetzten Ländern auf, doch während sie in vielen Gebieten (z.B. Frankreich, Griechenland, Polen, Slowakei) die Truppe erst 1943/44 vor ernsthafte Probleme stellten (u.a. Résistance, ELAS), entwickelte sich ihre Schlagkraft in der UdSSR und Jugoslawien sehr rasch. Bereits einige Tage nach dem deutschen Überfall erließ der sowjetische Rat der Volkskommissare am 29.6.41 Beschlüsse, die die ersten allgemeinen Anweisungen zur Bildung von Partisanenabteilungen enthielten. Die Partisanen rekrutierten sich zunächst aus von der Front überrollten Rotarmisten, entwichenen Kriegsgefangenen und in die Wälder geflohenen Funktionären. Gleichzeitig wurden durch die in den besetzten Gebieten im Untergrund arbeitenden KP-Mitglieder und sowjetische Offiziere weitere Gruppen aufgestellt, die straff organisiert waren.

    Lagebesprechung russischer Partisanen

    In den ersten Monaten kam es zu Überfällen auf kleinere deutsche Einheiten und Polizeiposten, Sprengungen von Brücken, Anschläge auf Transportzüge, Vernichtung von Kraftfahrzeugen u.Ä. Die deutsche Besatzungsmacht stand den Aktivitäten durchweg machtlos gegenüber, da sie keine Erfahrung in der Bekämpfung von Partisanen besaß, derer man durch brutalen Abschreckungsterror ohne taktisches Konzept Herr zu werden versuchte: Partisanen und Partisanenhelfer wurden erschossen oder gehenkt, Dörfer, in denen sie Unterschlupf gefunden hatten, dem Erdboden gleichgemacht und die Bewohner getötet. Erst allmählich gewann man Verhaltensmaßregeln für die Partisanenbekämpfung. Es wurden Jagdkommandos gebildet, die ständig mit der so genannten Bandenbekämpfung beschäftigt waren und die Erfolgszahlen steigen ließen, zumal Himmler am 23.10.42 den General der Waffen-SS von dem Bach-Zelewski zum "Bevollmächtigten für die Bandenbekämpfung" (später Chef der Bandenkampfverbände) ernannte. Er konnte zuweilen auch auf die Mitarbeit der Bevölkerung bei der Verfolgung der Partisanen zurückgreifen, nachdem man von der Verhängung kollektiver Sühnemaßnahmen abgegangen war. Dennoch sanken die Erfolge schließlich doch wieder, da die Zahl der Partisanen weiter anstieg. Ihre Aktivitäten richteten sich Ende 43/Anfang 44 insbesondere gegen den deutschen Nachschub (so genannter Schienenkrieg). Außerdem unterstützten sie die Rote Armee bei den Vorbereitungen und der Durchführung ihrer Offensiven. Nach sowjetischen Angaben brachten Partisanen u.a. 18 000 Militärzüge zum Entgleisen, vernichteten 9400 Loks, 85 000 Waggons, 42 000 Kraftfahrzeuge sowie 2 Millionen t Militärgut und sprengten 2000 Eisenbahn- sowie 8000 Straßenbrücken; mindestens 550 000 deutsche Soldaten und Polizisten sollen ihnen zum Opfer gefallen sein.

    In Minsk von lettischen SS-Verbänden aufgehängte Partisanen

    Während in der UdSSR der Kampf der Partisanen unmittelbar nach dem deutschen Einmarsch begann, setzte er in Jugoslawien erst nach der Kapitulation (17.4.41) ein. Am 27.6.41 bildete sich der Oberste Rat der Volksbefreiungsabteilung der Partisanen unter Tito, und am 4.7.41 erfolgte ein Aufruf des Politbüros an alle patriotischen Kräfte, sich gegen die Besatzer zu erheben. Noch im Juli brachen Aufstände in allen Landesteilen aus, die Partisanenbewegung begann sich zu formieren, ihre Terror- und Sabotageakte nahmen ständig zu. Auch hier versuchten die deutschen Behörden mit Gegenterror, Geiselnahme und Sühnemaßnahmen den Widerstand zu brechen. In Anlehnung an einen OKW-Befehl vom 16.9.41 waren für jeden getöteten deutschen Soldaten oder volksdeutschen Bürger 100 Zivilisten zu erschießen; Ortschaften und Gehöfte, die im Kampf genommen werden mussten, waren niederzubrennen. Im Laufe des Jahres 42 wurden mehrere Offensiven gegen die Partisanen geführt, die sich jedoch immer wieder der drohenden Einschließung entziehen konnten. Ihre Stärke nahm zu, auch durch den Zustrom von Ausländern und Abwürfe von alliierten Hilfsgütern und Waffen, sodass sie bei Herankommen der Roten Armee überall zum Angriff übergehen und die Besatzer aus Städten und ganzen Landstrichen vertreiben konnten. Erst nach der offiziellen Kapitulation der deutschen Wehrmacht ergaben sich die deutschen Truppen am 15.5.45. Nach jugoslawischen Angaben sollen die Partisanen 1099 Züge zum Entgleisen gebracht, 1918 Loks, 19 759 Waggons und 20 022 Kfz. vernichtet sowie 1077 Eisenbahn- und 2148 sonstige Brücken zerstört haben; 447 000 deutsche Soldaten und jugoslawische "Verräter" seien getötet worden.