Paris (Stadt)

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Hauptstadt Frankreichs an der Seine mit rund 2,9 Millionen Einwohnern (1940). Paris war eines der Hauptziele der 2. Phase des deutschen Frankreichfeldzugs (Fall "Rot"), die am 3.6.40 mit einem Großangriff der Luftwaffe gegen Bahnhöfe, Flugplätze und Industrieanlagen im Raum Paris eingeleitet wurde (254 Todesopfer, 26 abgeschossene deutsche Maschinen). Nach dem Zusammenbruch der Front an der Aisne erklärte das französische Oberkommando Paris zur offenen Stadt, die am 14.6. von der deutschen 87. Infanteriedivision besetzt wurde, 23.6. Blitzbesuch Hitlers. In den folgenden 1537 Tagen der Besetzung war Paris mit seinem trotz aller Einschränkungen pulsierenden kulturellen und gesellschaftlichen Leben beliebtester Standort deutscher Besatzungssoldaten. Das änderte sich trotz einiger alliierter Luftangriffe (u.a. im März 42 und im April 43 auf die Renaultwerke) erst im August 44, als Paris beim Herannahen alliierter Truppen zur Frontstadt wurde. Zum Militärbefehlshaber Groß-Paris hatte Hitler am 7.8.44 General v. Choltitz ernannt und ihm die Verteidigung bis zum letzten Mann unter Sprengung sämtlicher Seinebrücken befohlen. Entgegen der deutschen Annahme zielte der alliierte Stoß jedoch zunächst an Paris vorüber, da Eisenhower eine Einschließung der Stadt dem Risiko von Straßenkämpfen vorzog. Trotz seiner Warnungen kam es jedoch in Paris zu Unruhen, und am 19.8. proklamierten Résistanceführer den bewaffneten Aufstand. Deutsche Fahrzeuge wurden beschossen, Ministerien und Rathäuser besetzt, über der Polizeipräfektur auf der Isle de Cité wehte die Trikolore. Choltitz hatte Befehl, die Rebellion erbarmungslos zu ersticken. Dafür standen ihm auf dem Papier rund 20 000 Mann mit 60 Panzern und ebenso vielen Geschützen zur Verfügung. Aufrührerviertel sollten von der Luftwaffe bombardiert werden. In dieser Lage appellierte de Gaulle, der vor wachsendem kommunistischen Einfluss in der Hauptstadt warnte, an Eisenhower, Hilfe nicht länger zurückzuhalten. Das V. US-Korps gab daraufhin die französische 2. Panzerdivision unter Leclerc zum Eilmarsch auf Paris frei. Die Vorhut traf am 24.8. vor der Polizeipräfektur ein, das Gros folgte am nächsten Tag unter unbeschreiblichem Jubel der Bevölkerung, während zugleich die 4. US-Infanteriedivision die Vorstädte erreichte. Choltitz, der mit den Aufständischen unter schwedischer Vermittlung Waffenruhe verabredet und die Zerstörungsbefehle Hitlers geschickt hinausgezögert hatte, kapitulierte am 25.8. vor Leclerc, dem er ein nahezu unversehrtes Paris übergeben konnte. 12 800 seiner Soldaten gingen in Gefangenschaft, 3200 waren gefallen. Die Verluste der französischen 2. Panzerdivision beliefen sich auf 310 Gefallene und 319 Verwundete, während die Freischärler der Forces Françaises de l'Intérieur (FFI) 1000 Tote und 1500 Verletzte hatten, hinzu kamen 582 tote und 2000 verwundete Zivilisten. Zwar wurde Hitlers Befehl zur Beschießung von Paris durch Fernwaffen nicht mehr ausgeführt, doch kostete ein Bombenangriff der Luftflotte 3 (Deßloch) am 26./27.8. noch einmal 213 Einwohnern von Paris das Leben, 914 wurden verletzt.