Ostsee

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    nordeuropäisches Binnenmeer mit 390 000 km², durch Skagerrak, Kattegat, Großen und Kleinen Belt mit der Nordsee verbunden. Die Ostsee spielte in den Planungen der deutschen Kriegsmarine eine wesentliche Rolle als Ausbildungs- und Schulgebiet, da die potenziellen gegnerischen Kräfte gering zu veranschlagen waren und ihre Ausschaltung durch Landkriegsoperationen vorausgesetzt wurde. Die Werftkapazitäten an den Küsten der Ostsee wurden aufgestockt, weil sie vor britischen See- und Luftangriffen sicher schienen. Angesichts der schwedischen Neutralität, des Bündnisses mit der Sowjetunion (23.8.39), der finnischen Lähmung im und nach dem Winterkrieg, der Ausschaltung der polnischen Kräfte gleich nach Kriegsbeginn und der Besetzung Dänemarks im April 40 konnte die Kriegsmarine bis zum Russlandfeldzug ungehindert in der Ostsee operieren und auch nach dem deutschen Angriff auf die UdSSR (22.6.41) eine Bedrohung durch sowjetischen Seestreitkräfte mit intensivem Mineneinsatz gering halten, unterstützt durch den raschen Vormarsch der Heeresgruppe Nord längs der russischen Ostseeküste.

    Zusammen mit der nun verbündeten finnischen Flotte legten deutsche Minenschiffe umfangreiche Sperren, z.B. Corbetha, Apolda und v.a. Juminda, die den Finnischen Meerbusen, in dem die sowjetische Flotte lag, abriegelten. Nach einigen schweren Verlusten versuchte kein sowjetisches Kriegsschiff mehr, in die offene Ostsee durchzubrechen, nur einigen wenigen U-Booten gelang das, doch erzielten auch sie bei planlosen Einzelunternehmen keine Erfolge. Nach der Eroberung der Baltischen Inseln und dem Erreichen Leningrads wurden die Minensperren weiter nach Osten verlegt, sodass die Rote Flotte gänzlich in der Kronstädter Bucht eingeschnürt wurde, wo sie durch deutsche Luftangriffe erhebliche Verluste erlitt. Dennoch blieb sie wegen der misslungenen Eroberung Leningrads eine ständige Bedrohung und zwang durch verlustreiche Durchbruchsunternehmen mit U-Booten die Kriegsmarine zur Geleitsicherung für ihre wertvolleren Einheiten. Erst als Netzsperren seit Frühjahr 43 jeden Ausbruch aus dem Finnischen Meerbusen vereitelten, wurden diese Kräfte wieder frei.

    Mit zunehmenden Erfolgen der Sowjets im Landkrieg verschlechterte sich auch die deutsche Situation in der Ostsee. Nach der Kapitulation Finnlands (September 44) und der Rückeroberung der Baltischen Inseln (Oktober/November 44) durch die Rote Armee konnte die sowjetische Flotte in die Ostsee durchbrechen und die durch Nachschub- und Truppentransportaufgaben z.B. für die bald danach abgeschnittene Kurlandarmee überlastete Kriegsmarine in Bedrängnis bringen. Die Sowjets, unterstützt von britischen Luftstreitkräften, verminten nun ihrerseits deutsche Häfen und profitierten zudem von früheren deutschen Minensperren, die nun auch die Operationen der deutschen Verbände nicht selten behinderten. Das waren in der letzten Kriegsphase v.a. Transporte von Flüchtlingen aus den bedrohten Ostgebieten. Dafür zog das OKM alle verfügbaren Einheiten in der Osten zusammen, darunter "Dickschiffe" wie die Lützow, Admiral Scheer und Prinz Eugen. V.a. durch die Zusammenstellung von Kampfgruppen aus dem Ausbildungsverband versuchte man zudem, durch Beschießung von Landzielen durch die präzise Kreuzerartillerie den sowjetischen Vormarsch zu hemmen und dadurch für die Rettungstransporte Zeit zu gewinnen. Das wurde erleichtert durch die fast bis Kriegsende aufrechterhaltene Seeherrschaft der Kriegsmarine in der Ostsee, wo die verbliebenen Überwassereinheiten massiert werden konnten, da ihr Einsatz anderweitig keinen Erfolg mehr versprach. Die Verluste blieben daher trotz tragischer Fälle wie Wilhelm Gustloff, General von Steuben oder Goya insgesamt gering, verglichen mit der Rettung von rund 2,2 Millionen Flüchtlingen über See.