Oradour-sur-Glane

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    französische Ortschaft 22 km nordwestlich Limoges im Limousin. Das bis dahin vom Krieg kaum berührte Oradour-sur-Glane wurde am 10.6.44 gegen 14 Uhr von der 3. Kompanie des I. Bataillons des Regiments "Der Führer" der 2. SS-Panzerdivision "Das Reich" besetzt, die schon kurz zuvor mit dem Massaker von Tulle Furcht und Schrecken verbreitet hatte. Die Einwohner von Oradour-sur-Glane wurden angeblich zur Feststellung der Personalien zusammengetrieben, die Männer von den Frauen und Kindern getrennt. Während einige SS-Leute die Männer in Scheunen und Häusern erschossen, schlossen andere die etwa 500 Frauen und Kinder in der Kirche ein, zündeten das Gebäude an und feuerten auf jeden, der zu fliehen versuchte. Anschließend zogen die Soldaten plündernd durch Oradour-sur-Glane, legten an allen Häusern Feuer und verließen den Ort gegen Abend. 642 Menschen, von denen sich nur noch 52 identifizieren ließen, waren ihnen zum Opfer gefallen, nur 36 hatten entkommen können. Offiziell wurde das Massaker von deutscher Seite als Präventivmaßnahme gegen angebliche Waffenlager der Résistance und als Repressalie für heimtückische Partisanenangriffe auf die an die Invasionsfront marschierende Division ausgegeben. Hitler verhinderte eine gerichtliche Verfolgung, die auch durch den schnellen alliierten Vormarsch und den Untergang der 3. Kompanie in der Normandie zunächst unmöglich war. Auch nach dem Krieg wurden nur einige der Verantwortlichen gefunden und abgeurteilt: Der Chef des Verbindungsstabs in Limoges, General von Borodowsky, wurde von der französischen 1. Armee festgenommen und bei einem Fluchtversuch erschossen; die Briten verweigerten die Auslieferung des Divisionskommandeurs, SS-General Lammerding. 21 ehemalige Angehörige der SS-Einheit mussten sich schließlich 1953 vor einem Militärtribunal in Bordeaux nach einer eigens erlassenen Lex Oradour-sur-Glane, die bereits die Zugehörigkeit zu einer an Kriegsverbrechen beteiligten Einheit unter Strafe stellte, verantworten. Es handelte sich um 7 deutsche Soldaten und 14 Elsässer, die das Gericht vor erhebliche Probleme stellten, da nur 2 der elsässischen Angeklagten freiwillig zur Waffen-SS gegangen waren. 2 Todesurteile, 18 Haftstrafen und 1 Freispruch waren schließlich ein Kompromiss, mit dem niemand zufrieden war. Der Bürgermeister von Oradour-sur-Glane schickte empört über die Milde das Kreuz der Ehrenlegion zurück, die französische Nationalversammlung verkündete umgehend eine Amnestie für die französischen (elsässischen) Verurteilten. Ein letztes Nachspiel gab es 1983 in Ost-Berlin, wo ein Zugführer der 3. Kompanie, Heinz Barth, zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Die Ruinen von Oradour-sur-Glane blieben nach dem Krieg als Mahnmal stehen, der Ort wurde in der Nähe neu aufgebaut.