Okinawa

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Hauptinsel der japanischen Riukiugruppe mit 2273 km² und rund 450 000 Einwohnern (1941), Hauptstadt Naha. Okinawa, nur knapp 600 km von der japanischen Hauptinsel Kiuschu entfernt, war letztes Ziel beim amerikanischen Inselspringen im mittleren Pazifik. Der Angriff wurde im Oktober 44 beschlossen und begann am 23.3.45 mit einem tagelangen Luft- und Artilleriebombardement. Am 1.4. landete die 10. US-Armee unter Generalleutnant Buckner mit dem 3. Amphibischen Korps (Geiger) und dem 14. AK (Hodges). Die Landungsflotte unter Admiral Turner umfasste 1300 Schiffe, darunter 18 Geleitträger und 10 ältere Schlachtschiffe. Dazu kam die Task Force 58 (Mitscher) mit 18 schnellen Trägern und eine britische Trägergruppe (Rawlings). Okinawa wurde von rund 130 000 Mann unter Generalleutnant Ushijima verteidigt, die aber an der Küste kaum Widerstand leisteten. Die Amerikaner konnten daher schon am ersten Tag 50 000 Mann landen, die etwa 100 km lange Insel am nächsten Tag in der Mitte durchtrennen und 2 der 3 Flugfelder erobern. Dann aber stießen die Marines beim Vormarsch nach Norden auf der Halbinsel Motobu, v.a. aber im Süden an der so genannten Shuri-Linie auf erbitterte Gegenwehr. Ushijima hatte sich hier mit seinen Truppen in gut getarnten Bunkern und Höhlen eingegraben, die im Kampf Mann gegen Mann mit Flammenwerfern und Handgranaten regelrecht ausgeräuchert werden mussten. Erst am 21.5. durchbrachen die Amerikaner die Befestigungslinie, und erst am 24.6. erlosch der japanische Widerstand an der Südspitze; Ushijima und sein Stab hatten Harakiri verübt.

    Die verbissene Verteidigung von Okinawa war der letzte japanische Versuch, den amerikanischen Vormarsch Richtung Mutterland zu stoppen und mit koordinierten Selbstmordattacken der US-Pazifikflotte einen entscheidenden Schlag zu versetzen; dazu standen auf Kiuschu und Formosa rund 2000 Flugzeuge bereit. Am 6.4. unternahmen 355 Kamikaze-Maschinen den ersten von insgesamt 10 Masseneinsätzen, 341 andere Flugzeuge wurden zu konventionellen Bomben- und Torpedoangriffen angesetzt. Am gleichen Tag nahm das Riesenschlachtschiff Yamato mit 1 Kreuzer und 8 Zerstörern Kurs auf Okinawa, wo es sich als Küstenbatterie auf Grund setzen und mit seinen 9x45,6-cm-Rohren die Invasionsflotte zersprengen sollte. Doch der Verband wurde am 7.4. von der amerikanischen Aufklärung erfasst, von 280 Trägerflugzeugen angegriffen und bis auf 4 Zerstörer vernichtet; die Yamato versank mit 2498 Mann. Insgesamt hatten die japanischen Kamikaze-Angriffe bei einem Verlust von 930 Selbstmordmaschinen und Begleitjägern 16 amerikanische Schiffe, keines größer als ein Zerstörer, versenkt und 185 beschädigt, darunter 7 Träger und 10 Schlachtschiffe. Verheerender war die moralische Wirkung auf die US-Soldaten, von denen viele zermürbt aus dem Kampf genommen werden mussten, darunter Flottenbefehlshaber wie Mitscher, Spruance, Hill und Turner. Am Ende der 82-tägigen Kämpfe um Okinawa, die den Weg nach Japan geöffnet hatten, zählte die 10. US-Armee 7613 Gefallene, darunter Oberbefehlshaber Buckner, und 31 807 Verwundete; die US-Flotte hatte 4907 Tote und 4824 Verwundete. Von der japanischen Garnison überlebte bis auf 7400 Gefangene niemand, die Zivilbevölkerung beklagte 26 000 Opfer.