Nemmersdorf

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    ostpreußisches Dorf südlich Gumbinnen. Am 20.10.44 wurde Nemmersdorf von Einheiten der sowjetischen 11. Gardearmee (Galitzki) besetzt, wenige Tage später befreiten deutsche Truppen den Ort wieder. Sie fanden zahlreiche Leichen erschossener und erschlagener Männer, Frauen und Kinder. Nach Zeugenberichten waren viele Frauen - darunter auch einige Ordensschwestern - vergewaltigt und anschließend gefoltert, erstochen oder erschossen worden. Angehörige der beim Gegenangriff eingesetzten 13. Kompanie des Fallschirm-Panzer-Grenadier-Regiments 2 "Hermann Göring" berichteten über massenhafte Funde von Leichen am Rand der durch Nemmersdorf führenden Landstraße, v.a. in der Nähe der Straßenbrücke über das Flüsschen Angerapp. Die Leichen stammten von Männern, Frauen und Kindern eines Flüchtlingstrecks, die von den russischen Truppen überrollt und getötet worden waren. Nach Angaben des ehemaligen Chefs des Stabes der in Ostpreußen eingesetzten 4. Armee, Generalmajor Dethleffsen, vor einem amerikanischen Militärgericht in Neu-Ulm wurden in Nemmersdorf auch etwa 50 französische Kriegsgefangene von sowjetischen Soldaten erschossen. Bei gefallenen Rotarmisten sollen blaue Handzettel in Größe von Briefumschlägen mit einem Mordaufruf des sowjetischen Schriftstellers Ilja Ehrenburg gefunden worden sein.