Natter

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Beiname des raketengetriebenen Abfangjägers Bachem Ba 349, seit Sommer 44 in letzter Minute im Rahmen des Jäger-Notprogramms als materialsparende Einfachwaffe gegen die viermotorigen US-Bomber entwickelt; erster unbemannter Versuchsstart 22.12.44. Bei der Natter handelte es sich praktisch um eine steuerbare Rakete von 6 m Länge mit einem Flugzeugleitwerk und Stummelflügeln von 4 m Spannweite. Sie startete mit einem 2000-kp-Flüssigkeitsmotor Walter HWK-509 und 4 Hilfsraketen von einem 25 m hohen Gerüst fast senkrecht und erreichte in 1 Minute die Einsatzhöhe von 10 000 m, Kampfzeit 6-7,4 Minuten. Bewaffnet war die Natter mit einer Batterie von 24x5,5-cm-R4M-Luft-Luft-Raketen in der Bugnase. Nach Abfeuern der Salve sollte sich der Pilot mit dem Fallschirm retten, das abgesprengte Heckteil mit dem ausgebrannten Raketenmotor glitt zwecks Wiederverwendung an einem zweiten Fallschirm zur Erde. Am 28.2.45 kam Oberleutnant Lothar Sieber, der sich freiwillig gemeldet hatte, beim ersten senkrechten bemannten Raketenstart der Welt ums Leben, drei folgende Testflüge mit Freiwilligen glückten. Insgesamt wurden noch 36 Natter in Süddeutschland gebaut, 10 davon warteten im April 45 bei Kirchheim/Teck auf ihre Einsatzerprobung. Bei Annäherung der Alliierten wurden sie auf ihren Startgerüsten zerstört. 1 Beuteexemplar ist bei der Smithsonian Institution in Washington erhalten.