Nationalkomitee "Freies Deutschland"

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    unmittelbar nach der deutschen Niederlage in der Panzerschlacht bei Kursk am 13.7.43 in Krasnogorsk bei Moskau (später Sitz in Lunjowo) unter sowjetischer Aufsicht von deutschen Kriegsgefangenen, Mitgliedern der kommunistischen Exilführung und emigrierten antifaschistischen deutschen Schriftstellern gegründete Organisation. Das Nationalkomitee "Freies Deutschland" wollte zur Beendigung des Krieges durch Einwirken auf die deutsche Öffentlichkeit und die deutschen Soldaten der Ostfront beitragen, denen die Vorteile einer baldigen Aufgabe des Kampfes sowohl persönlich (Überlaufen) wie kollektiv (Sturz Hitlers) klargemacht werden sollten. Die Zeitung des Nationalkomitees, "Freies Deutschland", schwarz-weiß-rot umrandet und in insgesamt 120 Nummern verbreitet, Flugblätter, Grabenlautsprecher und Radiosendungen (eigener Sender "Freies Deutschland" in Moskau) appellierten daher bewusst an patriotische Gefühle und vermieden marxistische Propagandaformeln. In Zusammenarbeit mit dem Bund Deutscher Offiziere (seit 14.9.43) nutzte man auch die Autorität prominenter Truppenführer wie Generalfeldmarschall Paulus, die schonungslos die militärische Lage schilderten. Gerade deren Entwicklung aber machte die Arbeit des Nationalkomitees "Freies Deutschland" mit wachsender Gewissheit des alliierten Sieges zunehmend schwerer. Die von der Nationalkomitee-Propaganda erhoffte Schwächung der deutschen Kampfmoral wurde nicht mehr benötigt, sodass auf sowjetischen Druck die Aufrufe zunehmend sozialistisch gefärbt wurden. Das schwächte die ohnehin geringe Wirkung der Nationalkomitee-Agitation auf die deutschen Soldaten, deren Glaube an das Genie des "Führers" und deren Angst vor sowjetischer Gefangenschaft überwogen, sodass auch ein "Aufruf der 50 Generale an Volk und Wehrmacht" (8.12.44) nahezu unbeachtet blieb. Nach dem Krieg spielte das Nationalkomitee "Freies Deutschland", das bei den Westmächten anfangs Irritationen wegen eines deutsch-sowjetischen Separatfriedens ausgelöst hatte, kaum noch eine Rolle und wurde am 2.11.45 aufgelöst. Einige der prominenten Mitglieder wie Walter Ulbricht oder Wilhelm Pieck rückten jedoch in der sowjetischen Besatzungszone in führende Stellungen.