Murmansk

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    sowjetischer Hafen, Marinestützpunkt und Gebietshauptstadt am Nordpolarmeer auf der Halbinsel Kola mit 117 000 Einwohnern (1940). Im finnisch-sowjetischen Winterkrieg 1939/40 erwog das britische Oberkommando zeitweilig eine Intervention durch Landung eines Expeditionskorps zur Unterbrechung der Murman-Bahn zwischen Murmansk und Leningrad, doch machte der Friedensschluss im März 40 das Unternehmen unmöglich. Als ganzjährig eisfreier Hafen, über den ein wesentlicher Teil der sowjetischen Importe und später der alliierten Hilfslieferungen für die Rote Armee lief, war Murmansk nach Beginn des Russlandfeldzugs (22.6.41) und der finnischen Kriegserklärung (26.6.41) Ziel von deutschen Luftangriffen und einer Offensive der deutschen Norwegenarmee (v. Falkenhorst) aus dem Raum Petsamo, die aber von der sowjetischen 14. Armee (Frolow) aufgefangen wurde. Im Oktober 41 blies das OKW weitere Vorstöße Richtung Murmansk ab und setzte auf Fortsetzung der Bombardierung durch die Luftflotte 5 (Stumpff) zur Ausschaltung der Verladeeinrichtungen und Hafenanlagen, was nur ansatzweise gelang, da die Sowjets die Luftverteidigung von Murmansk intensivierten und ihrerseits durch Angriffe auf die deutschen Flugfelder in Nordnorwegen der Luftwaffe erhebliche Verluste beibrachten. Im Sommer 44 ging die Rote Armee auch vor Murmansk zur Offensive gegen die deutsche 20. Gebirgsarmee (Rendulic) über, die schließlich im Rahmen des Unternehmens "Birke" Finnland räumen musste.

    Murmansk war in der Folgezeit Standort der Uprawlenije 7363, einer Lagergruppe, die zunächst mit Gefangenen aus Kurland und später mit Kapitulationsgefangenen belegt wurde (z.B. 28.8.45 Ankunft von rund 2000 Mann aus dem Sammellager Auschwitz). Trotz der schwierigen Lebensbedingungen in diesen nördlichsten Lagern jenseits des Polarkreises scheint die Sterblichkeit in Murmansk relativ niedrig gewesen zu sein. Heimkehrer berichteten übereinstimmend von "nur" 180 bis 200 umgekommenen Kameraden.