Moskau

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Belagertes Moskau im Winter 1941

    Hauptstadt der Sowjetunion mit fast 4,2 Millionen Einwohnern (1940). Moskau gehörte zunächst zu den Hauptangriffszielen der Wehrmacht im Russlandfeldzug, Hitler aber verschob im Juli 41 die Eroberung zugunsten der Einschließung der sowjetischen Armeen in der Ukraine und der Wegnahme des dortigen Industriereviers. Nach Abschluss dieser Operationen gab er mit Weisung Nr. 35 die Offensive Richtung Moskau, das am 21./22.7. erstmals von der deutschen Luftwaffe bombardiert worden war, der Heeresgruppe Mitte (Bock) wieder frei. Für dieses Unternehmen "Taifun" verfügte sie über die Panzergruppen 2, 3 und 4 sowie die 2., 4. und 9. Armee mit 14 Panzer-, 8 motorisierten und 56 Infanteriedivisionen, unterstützt durch die Luftflotte 2 (Kesselring). Nachdem die Panzergruppe 2 (später 2. Panzerarmee) unter Generaloberst Guderian schon am 30.9. Richtung Orel - Brjansk vorgestoßen war, folgte am 2.10. der Generalangriff. In einer bis 20.10. andauernden Doppelschlacht bei Brjansk und Wjasma wurden die sowjetischen Armeen 30 (Chomenko), 19 (Lukin), 20 (Jerschakow), 24 (Rakutin), 43 (Akimow), 32 (Wischnewski) und 3 (Kreiser) vernichtet, zwei weitere weitgehend aufgerieben; 673 000 Rotarmisten gerieten in Gefangenschaft, die sowjetische Regierung floh am 16.10. aus der Stadt, der Weg nach Moskau schien frei. Kurz darauf aber setzte die Schlammperiode ein, die Offensivbewegungen unmöglich machte, sodass der Angriff erst am 15.11. wieder aufgenommen werden konnte. Er kam erneut rasch voran, und am 27.11. erreichte ein Erkundungstrupp des Panzerpionierbataillons 62 den Ort Chimki 8 km vor Moskau.

    Es blieb die größte Annäherung an das Ziel Moskau, denn der russische Widerstand versteifte sich, frische sibirische Truppen trafen aus Fernost ein, wo ein Neutralitätspakt mit Japan (14.4.41) vor Überraschungen sicherte. Am 5./6.12. traten die sowjetische Kalininfront (Konjew) und die Westfront (Schukow) mit 14 Armeen vor Moskau zur Gegenoffensive an und zwangen die deutschen Truppen zu weiträumigen Absetzbewegungen auf kräftesparende Frontlinien, wo Hitler "Halten um jeden Preis" anordnete. Trotz weiterer Angriffe konnten die Fronten bis zum Ende des Winters stabilisiert, Kessel wie die bei Cholm und Demjansk danach entsetzt werden. Eine neue Offensive gegen Moskau aber war gegen die jetzt unerschütterliche sowjetische Verteidigung nicht mehr möglich und nach den sowjetischen Siegen im Frühjahr/Sommer 43 rückte die Stadt auch aus der Reichweite der deutschen Luftwaffe, die zudem mit der Unterstützung der weichenden deutschen Truppen schon überlastet war.

    Moskau wurde Standort der Uprawlenije 7453 (später 7853). Schon 1941/42 waren hier Gefangenenlager errichtet worden, doch erst mit der Kapitulation der Wehrmacht kam es zur Bildung der eigentlichen Lagergruppe und zur Stationierung von zahlreichen Kriegsgefangenen-Arbeitsbataillonen, da im Raum Moskau besonders viele Arbeitskräfte zum Wiederaufbau gebraucht wurden. Daneben lagen noch eine Reihe anderer Gefangeneneinheiten in den Vorstädten von Moskau, z.B. Ljublino. Die Sterblichkeit war anfänglich sehr hoch, da die Insassen der Lager bei schlechter Ernährung bis zum physischen Zusammenbruch ausgebeutet wurden. So starben z.B. in dem früher zur Uprawlenije 7453 (7853) gehörenden Lager 7845: von 1000 Gefangenen rund 350 Mann allein im Winter 45/46; im Lager 7864: 700 von insgesamt 800 Gefangenen zwischen Juni und Dezember 45. Das besserte sich allmählich, durchgreifend aber änderte sich die Lage erst Ende 47.