Monte Cassino

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Nach 5 Monate erbitterten Kampf rücken britische Einheiten vor.

    Berg (519 m) im mittelitalienischen Latium mit der Gründungsabtei des Benediktinerordens auf dem Gipfel. Monte Cassino und der gleichnamige Ort bildeten 1943/44 das Herzstück der deutschen "Gustav"-Linie, an der nach der Kapitulation Italiens (8.9.43) der Vormarsch der Alliierten nach Rom zum Stehen gebracht werden sollte. Der dem Massiv des Monte Cairo (1669 m) vorgelagerte Berg beherrschte das Lirital, den Zugang zur Ebene von Latium und damit zur italienischen Hauptstadt, deren Eroberung von den Alliierten nach dem Erfolg der Landung bei Salerno noch für Oktober 43 vorgesehen war. Wegen Wetter-, Nachschub- und Geländeschwierigkeiten, v.a. aber wegen des geschickten Widerstands der 10. deutschen Armee (v. Vietinghoff), erreichten die amerikanische 5. (Clark) und die britische 8. Armee (Montgomery) erst im Januar 44 die "Gustav"-Linie in voller Länge und versuchten in vier Schlachten, den Riegel am Monte Cassino zu durchbrechen:

    1) Am 18.1.44 griffen das X. britische Korps (McCreery) im Mündungsgebiet des Garigliano und das II. US-Korps (Keyes) am Rapido südlich des Monte Cassino an, um Verteidigungskräfte zu binden und damit die Landung des VI. US-Korps bei Anzio im Rücken der deutschen Front zu entlasten. Während die Briten einen kleinen Brückenkopf gewinnen konnten, mussten sich die Amerikaner bei 2000 Mann Verlust nach Gegenangriffen des deutschen XIV. Panzerkorps (von Senger und Etterlin) bis 22.1. wieder in die Ausgangsstellung zurückziehen. Flankenangriffe des französischen Expeditionskorps (Juin) gegen Atina im Norden und der britischen 46. Division bei Sant' Ambrogio im Süden des amerikanischen Abschnitts scheiterten ebenso.

    2) Nach kurzer Pause gingen die Alliierten am 25.1.44 zur Daueroffensive über. Vergeblich jedoch versuchte die 34. US-Infanteriedivision, den Monte Cassino im Norden zu umgehen, und ebenso erfolglos blieben Vorstöße der Franzosen, die vorübergehend einige umliegende Gipfel nehmen konnten. Gegenangriffe der deutschen 44. Infanteriedivision stellten die alte Lage wieder her. Der den Monte Cassino überragende Kalvarienberg (593 m) wechselte zwischen 6.2. und 10.2. viermal den Besitzer, Sieger blieb die durch 3 Bataillone Fallschirmjäger verstärkte deutsche 90. Panzergrenadierdivision gegen das 11. US-Korps. Das zur Unterstützung der Amerikaner herangeführte II. neuseeländische Korps (Freyberg) wurde daher mit einem erneuten Frontalangriff auf den Monte Cassino beauftragt, es forderte dafür aber eine vorbereitende Bombardierung des Klosters, das von den deutschen Verteidigern bewusst aus dem Kampfraum ausgespart und dessen Kunstschätze nach Rom ausgelagert worden waren. 142 Flying Fortress und 87 weitere Maschinen verwandelten am 15.2. die Abtei in einen Trümmerhaufen, den erst jetzt Einheiten der deutschen Fallschirmjägerdivision (Generalleutnant Heidrich) besetzten. Wiederholte Sturmangriffe britischer Kolonialtruppen auf den Kalvarienberg wurden am 18.2. abgewiesen.

    3) In der 3. Schlacht am Monte Cassino sollte ein Angriff durch den Ort Cassino den Durchbruch schaffen: Am 15.3. gingen die Neuseeländer vor, nach Bombardierung der deutschen Stellung mit 800 Maschinen, die 1200 t Bomben abwarfen. Dennoch lief sich der Angriff fest und war auch durch massiertes Feuer der Artillerie nicht voranzubringen, die fast 600 000 Granaten verschoss. Am 23.3. mussten die Alliierten den Kampf erneut abbrechen.

    4) Für den nächsten Großangriff gruppierte der alliierte Oberbefehlshaber Alexander um: Das Zentrum am Monte Cassino übernahm die britische 8. Armee mit dem XIII. britischen und dem II. polnischen Korps (Anders), während die Amerikaner an der Küste auf Minturno und die Franzosen nördlich davon gegen das Massiv des Monte Majo (940 m) am westlichen Eingang des Liritales vorstoßen sollten. Die Zeit drängte, da das Unternehmen "Overlord" bevorstand und der Vormarsch auf Rom die Invasion in der Normandie durch Bindung deutscher Kräfte erleichtern sollte. In der Nacht vom 11./12.5. feuerten über 2000 alliierte Geschütze an der gesamten Monte Cassino-Front und leiteten die vierte Offensive ein, die im Zentrum nach geringen Geländegewinnen zunächst liegen blieb. Erfolgreicher verliefen die Angriffe marokkanischer Divisionen des französischen Expeditionskorps, die am 13.5. auf dem Majo die Trikolore hissten und unter Verzicht auf motorisierte Verbände zu Fuß mit Maultieren durch die Monti Aurunci vordrangen. Das XIV. Panzerkorps auf dem rechten deutschen Flügel musste weichen, wodurch die gesamte Front in Bewegung geriet und der deutsche Oberbefehlshaber Süd Kesselring Monte Cassino am 17.5. räumen ließ, wo am nächsten Tag polnische Truppen einzogen. Dem VI. US-Korps gelang nun auch der Ausbruch aus dem Brückenkopf bei Anzio, der Weg nach Rom war offen.

    Insgesamt verloren die Alliierten bei Monte Cassino 12 000 Mann und wochenlang Zeit, die Wehrmacht büßte über 20 000 Mann an Gefallenen, Vermissten und Gefangenen ein und opferte wertvolle Kräfte für die Abwehrschlacht im Osten und die bevorstehende Invasion in der Normandie.