Midway

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    polynesische Inselgruppe und amerikanischer Stützpunkt im mittleren Pazifik nordwestlich von Hawaii. Die beiden Midwayatolle Sand Island und Eastern Island von zusammen 5,2 km² bildeten zu Beginn des Pazifikkriegs nach dem Fall von Wake den wichtigsten Außenposten der USA, die dort Flugfelder, eine Seefliegerstation, Funkanlagen und umfangreiche Treibstoff- und Munitionsdepots unterhielten. Midway war daher schon am ersten Kriegstag (7.12.41) Ziel eines Artillerieangriffs von 2 japanischen Zerstörern, der 4 Marines das Leben kostete. Nach dem amerikanischen Doolittle-Raid gegen Tokio (18.4.42) erwies sich das japanische Inselvorfeld als immer noch zu klein und Flottenchef Yamamoto plante daher umgehend ein Landungsunternehmen gegen Midway, das einen unsinkbaren Flugzeugträger auf halbem Weg zwischen Hawaii und dem japanischen Mutterland darstellte. Wie Japan von hier aus verwundbar war, wäre Midway eine ideale Basis für Vorstöße gegen die amerikanische Westküste und den Panamakanal. Ein Angriff würde zudem die US-Pazifikflotte aus der Reserve locken und zur ersehnten Schlacht stellen, ehe sie die Einbußen von Pearl Harbor ausgeglichen hatte.

    Yamamoto setzte dafür fast seine gesamten Überwasserstreitkräfte ein: 8 Träger mit 407 Maschinen, 11 Schlachtschiffe, 22 Kreuzer und 65 Zerstörer. Die Trägerstaffeln verteilte er auf mehrere getrennt operierende Kampfgruppen, ein schlachtentscheidender Fehler, wie sich zeigen sollte: Ein Verband (Kakuta, Landungsgruppe unter Hisogaya) führte einen Ablenkungsangriff gegen die Alëuten, doch ließ sich die amerikanische Aufklärung nicht täuschen, da sie den japanischen Funkcode entschlüsselt hatte. Admiral Nimitz ließ daher gegen die japanische Landungsgruppe für Midway (Kondo) und den Trägerverband unter Vizeadmiral Nagumo seine beiden Trägergruppen rechtzeitig auslaufen und in Lauerstellung nordöstlich von Midway gehen: Task Force 16 (Spruance) mit 6 Kreuzern und 9 Zerstörern gruppierte sich um die Träger Hornet und Enterprise, Task Force 17 (Fletcher) mit 2 Kreuzern und 6 Zerstörern um die Yorktown, die nach der Schlacht in der Korallen-See instandgesetzt worden war.

    Inzwischen hatte sich Yamamoto auf dem gewaltigen Schlachtschiff Yamato eingeschifft und führte seinen Hauptverband aus 7 Schlachtschiffen, 5 Kreuzern und 12 Zerstörern heran, die Landungsgruppe mit 12 Truppentransportern kam von den Marianen, gesichert von 2 Schlachtschiffen, 7 Kreuzern und 22 Zerstörern, dazu 1 Flugzeugmutterschiff und 1 leichter Träger. Die 4 schnellen Träger Nagumos mit der 1. Marineluftflotte bildeten die Speerspitze. Etwa 400 km nordwestlich von Midway hoben 108 ihrer Maschinen am 4.6.42 noch vor Sonnenaufgang ab zum Angriff auf Midway, wo sie die militärischen Anlagen bombardierten und bei 6 eigenen Verlusten 17 US-Jäger abschossen. Beim Rückflug meldete der Formationsführer, er halte die Insel weiter für kampffähig. Nagumo ließ daher die gegen Schiffsziele bereitgestellten Torpedobomber unter Deck schaffen und für einen zweiten Schlag gegen Midway mit Spreng- und Splitterbomben umrüsten. In dieser Phase erhielt der Admiral um 8.20 Uhr Meldung über mindestens einen herankommenden amerikanischen Träger, sodass er in fieberhafter Eile die Staffeln der 2. Welle wieder mit Torpedos und Panzersprengbomben bestücken lassen musste. Da seine 1. Welle in dieser Zeit zum Tanken und Munitionieren zurückkehrte, waren alle 4 Träger momentan außer Gefecht. Dennoch hielt Nagumos Luftschirm gegen hartnäckige Versuche amerikanischer Torpedobomber, im Tiefflug durchzubrechen. Um 9.28 Uhr griffen die ersten Devastator von Task Force 16 ohne eigenen Jagdschutz an; 35 von 41 US-Maschinen wurden dabei Opfer der Zeros.

    Nagumo ließ nun seine Träger zum eigenen Angriff in den Wind drehen, als die Schlacht eine dramatische Wende nahm: Hoch über der japanischen Gruppe kippten um 10.28 Uhr 34 Sturzbomber der Yorktown und Enterprise ab und erzielten mit drei 450-kg-Bomben Treffer auf dem Flugdeck der Akagi. Nagumos Flaggschiff verwandelte sich in ein Flammenmeer, das gleiche Schicksal ereilte innerhalb von 5 Minuten die Träger Soryu und Kaga. Lediglich die Hiryu war der Katastrophe im Schutz einer Regenböe entgangen und richtete nun 2 Gegenangriffe auf die Yorktown, die außer Gefecht gesetzt und am 7.6. von einem japanischen U-Boot versenkt werden konnte. Doch auch der letzte Träger Nagumos wurde am Nachmittag Opfer der amerikanischen Sturzbomber, Vizeadmiral Yamaguchi fiel. Nach den ersten Hiobsbotschaften hatte Yamamoto seine Landungsflotte beidrehen lassen und lief mit seinem Kampfverband in höchster Fahrt nach Midway, um die US-Träger mit seiner weitreichenden Artillerie womöglich noch in einem Nachtgefecht zu stellen. Doch Spruance hielt sich außer Reichweite, sodass die Japaner aus Sorge vor weiteren Luftangriffen am Morgen des 5.6. endgültig abziehen mussten, wobei es zu weiteren Verlusten durch Angriffe von Trägermaschinen und Kollisionen kam. Verluste insgesamt: Japan 3500 Mann, 332 Flugzeuge, USA 307 Mann und 147 Flugzeuge.

    Die Schlacht von Midway hatte die entscheidende Bedeutung von Trägern gegenüber den Schlachtschiffen beim weiträumigen Seekrieg "über den Horizont hinweg" erwiesen. Die - seit 1598 erste - schwere Niederlage der japanischen Flotte brachte das Ende ihrer Seeherrschaft und die Wende im pazifischen Krieg, in dem die USA die Initiative nicht mehr abgaben.