Mexiko

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    größter Staat Mittelamerikas mit fast 2 Millionen km² und 21 Millionen Einwohnern (1939), Hauptstadt Mexico City. Als unmittelbarer Nachbar der übermächtigen USA war Mexiko immer bestrebt, seinen eigenen Weg zu betonen, was nach der mexikanischen Revolution von 1911 v.a. in einem wachsenden Nationalismus und Antikapitalismus zum Ausdruck kam. Prägende innenpolitische Kraft war in den 1930er und 40er Jahren der PRN (Partido Nacional Revolucionario, 1938 PRM: Partido de la Revolución Mexicana) mit den Präsidenten Lázaro Cárdenas (1934-40) und Avila Camacho (bis 1946), die einen entschlossenen Reformkurs steuerten, den Großgrundbesitz zugunsten der Landbevölkerung enteigneten und eine Art nationalen Sozialismus propagierten. Mit der Verstaatlichung der internationalen, v.a. amerikanischer Ölgesellschaften am 18.3.38 riskierte Cárdenas den Konflikt mit Großbritannien, das die diplomatischen Beziehungen zu Mexiko abbrach, und den USA, die mit wirtschaftlichen Sanktionen reagierten. Das zwang zum Aufbau eigener Industrie und führte zu wachsendem Handel mit Deutschland und Japan, da auch das Verhältnis zur UdSSR durch das Exil des von Stalin verfolgten Trotzki (21.8.40 von einem Sowjetagenten ermordet) in Mexiko belastet war.

    Bei Kriegsausbruch neutral, sah sich Mexiko im weiteren Verlauf des Konflikts zu mehr Kooperation mit den USA gezwungen, obwohl starke deutschfreundliche Strömungen und profaschistisch eingestellte Militärkreise dagegen Front zu machen versuchten. Bei Beginn des Kriegs im Pazifik blieb dann schon aus geographischen Gründen nur eine Anlehnung des Landes mit atlantischer wie pazifischer Küste an die USA. Die diplomatischen Beziehungen zu den Achsenmächten wurden abgebrochen, deutsches und japanisches Guthaben in Mexiko eingefroren. Am 8.4.42 schlossen Mexiko und die USA einen Pakt, der amerikanische Stützpunkte in Mexiko, die Ausrüstung der mexikanischen Armee auf der Basis des Leih- und Pachtgesetzes, umfangreiche amerikanische Hilfe bei der Erschließung von Mexiko und intensiven Warenaustausch vorsah. Nach der Enttarnung eines deutschen Agentenrings und der Versenkung mehrerer mexikanischer Schiffe durch deutsche U-Boote erklärte Mexiko am 28.5.42 den Achsenmächten den Krieg. Neben Brasilien nahm Mexiko als einziges lateinamerikanisches Land aktiv an der alliierten Kriegführung teil durch Freiwillige in der US-Armee, Abstellung von Schiffen für Atlantikgeleitzüge und Einsatz von Luftstreitkräften in Fernost. Diese Politik sicherte Camacho durch Berufung des populären Expräsidenten Cárdenas zum Verteidigungsminister. Die Beteiligung am Krieg brachte, u.a. durch Verdreifachung der amerikanischen Investitionen in Mexiko, erhebliche wirtschaftliche Vorteile und trug zum Ausgleich der sozialen Spannungen bei.