Me 109

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Messerschmitt Bf 109 F-2 Special - Jagdgeschwader 26 - Frankreich 1941

    Typenabkürzung des Jagdeinsitzers der Firma Messerschmitt, Erstflug Mai 35. Die Me 109 war Standardjäger der Luftwaffe, flog aber auch bei allen europäischen Verbündeten Deutschlands. Neben dem Stuka Ju 87 das bekannteste deutsche Baumuster, war sie vom ersten bis zum letzten Kriegstag an allen Fronten anzutreffen. Sie wurde in dieser Zeit in ungefähr hundert Varianten mit immer neuen Rüstsätzen als Jagdbomber, Höhenjäger, Aufklärer, Pulkzerstörer, Nachtjäger, Trainer u.a. eingesetzt. Die Gesamtproduktion von rund 35 000 Maschinen lag an der Spitze aller zeitgenössischen Jagdflugzeuge. Die Neigung zum Ausbrechen bei Start und Landung, von Anbeginn eine gefährliche Schwäche des Entwurfs, konnte nie ganz behoben werden.

    Die Me 109 ging auf das schnelle Reiseflugzeug Me 108 Taifun zurück. Als Ganzmetalleindecker in Schalenbauweise mit einziehbarem Fahrwerk und verglaster Kabine verkörperte sie bereits alle Merkmale eines Hochleistungsjägers der zweiten Generation, wie ihn das Luftfahrtministerium in einer Ausschreibung 1934 zur Ablösung der herkömmlichen Doppeldecker gefordert hatte. Die Me 109 (bis 1938 Bf 109, dann wurden die Bayerischen Flugzeugwerke AG zur Messerschmitt AG) erregte 1937 als Sieger beim Internationalen Flugmeeting in Zürich weltweites Aufsehen. Der angebliche Weltrekord von 755 km/h erwies sich allerdings als Propagandabluff, denn Testpilot Fritz Wendel hatte ihn auf dem hochgezüchteten Rennflugzeug Me 209 erflogen. Die ersten Truppenmuster der Baureihen B und C erreichten maximal 460 km/h. Sie wurden im Spanischen Bürgerkrieg mit überzeugenden Ergebnissen getestet. Die erste Großserie E ("Emil") von 1939/40 war mit 2x20-mm-Kanonen und 2x7,9-mm-MG bewaffnet, sie flog mit dem neuen 1100-PS-Reihenmotor DB 601 maximal 570 km/h und rechtfertigte über Polen und Frankreich den Ruf der Me 109 als bester Jäger der Welt. In der Luftschlacht um England der Hurricane und selbst der Spitfire im Allgemeinen überlegen, machte sich jedoch die geringe Eindringtiefe der für rein taktische Gefechtsaufgaben konzipierten Maschine als großes Handicap bemerkbar: Von 100 Minuten Flugzeit blieben den Piloten nur 20 Minuten effektive Kampfzeit im Großraum London.

    Luftschlacht um England. Drei deutsche Jagdflugzeuge Me 109 vor der Küste bei Dover

    Die Zelle der Me 109 wurde 1940 für den leistungsstärkeren 1300-PS-Motor DB 601 nochmals umkonstruiert. Die aerodynamisch abgerundete Baureihe F von 1941/42 zeichnete sich durch gute Steigleistungen aus, flog maximal 635 km/h, war mit 20-mm-Kanone und 2x7,9-mm-MG jedoch schwächer bewaffnet als die E-Serie. Die geplanten Nachfolger Me 209 und 309 kamen über einige Versuchsmuster nicht hinaus, sodass die Me 109 bis Kriegsende zahlenmäßig wichtigster Kolbenjäger der Luftwaffe blieb. Im Westen u.a. gegen Thunderbolt oder Mosquito technisch immer mehr ins Hintertreffen geraten, wurde sie seit 1942 unter Verwendung des DB-605-Triebwerks weiterentwickelt: Die neue G-Serie erhielt 2x13-mm-MG und eine 20- oder 30-mm-Motorkanone, die nochmals eine charakteristische Veränderung der Zelle in Form zweier seitlicher Ausbuchtungen an der Triebwerkshaube mit sich brachte (Spitzname "Beule"). Im Herbst 44 brachte Messerschmitt schließlich die letzte Standardreihe K heraus. Sie vereinte die zahlreichen konstruktiven Verbesserungen des Modells, darunter die Vollsichthaube ("Gallandhaube"), Druckkabine, Panzerschutz für den Piloten, Methanoleinspritzung für 1800 PS Notleistung in Bodennähe u.a. Mit maximal 728 km/h kam diese Version wieder an die Leistungen der amerikanischen P-51 Mustang, des gefährlichsten Gegners, heran, doch war inzwischen der Luftwaffe der Treibstoff ausgegangen.

    Nach dem Krieg wurde die Me 109 als Avia C-10 bzw. 210 in der CSSR weitergebaut und u.a. für den Unabhängigkeitskrieg an Israel geliefert. Auch in Spanien ging man zum Lizenzbau über. 21 Jahre nach dem Erstflug der Me 109 lief 1956 in Sevilla die Produktion aus.