Maurice Gustave Gamelin

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    französischer General

    geboren: 20. September 1872 in Paris gestorben: 18. April 1958 in Paris

    Der französische General Maurice Gustave Gamelin

    im 1. Weltkrieg während der Marneschlacht 1914 Adjutant des französischen Oberbefehlshabers General Joffre, bei Kriegsende General und Divisionskommandeur, 1925-29 Oberbefehlshaber der Levantearmee, 1931 Generalstabschef als Nachfolger Weygands. Gamelin wurde 1935 Generalinspekteur der französischen Streitkräfte, vermochte aber die erhoffte Koordination von Heer, Marine und Luftwaffe nicht gegen die Partikularinteressen durchzusetzen, auch sein ursprüngliches offensives Verteidigungskonzept scheiterte an der Festungsmentalität der Generalität und der Politiker. Zudem versäumte der technisch uninteressierte Generalstäbler die Modernisierung des Waffenarsenals. Gleichwohl hielt er im August 39 Frankreich für hinreichend gerüstet und bestärkte Ministerpräsident Daladier bei seinem Beschluss zur Kriegserklärung an das Deutsche Reich (3.9.39). Bei Beginn des deutschen Angriffs im Westen (10.5.40) Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte, zeigte sich Gamelin der Aufgabe nicht gewachsen, hielt zu lange am verhängnisvollen Dijle-Plan fest und dirigierte die Schlacht fern der Front von seinem Hauptquartier in Vincennes aus. Mit einem schwerfälligen Befehlssystem bremste er die Eigeninitiative der Frontkommandeure, u.a. von General Georges, der an der Maas die kritische Nordostfront sichern sollte. Ministerpräsident Reynaud verlor rasch das Vertrauen in Gamelins Führungskünste und löste ihn am 17.5.40 durch Weygand ab. Anfang September 40 wurde Gamelin verhaftet und mit anderen Militärs und Politikern der III. Republik in Riom vor Gericht gestellt. Nach Vertagung des Prozesses am 11.4.42 blieb Gamelin bis 1943 in Vichy-Haft und wurde dann an Deutschland ausgeliefert, wo er bis zur Kapitulation in Gefangenschaft war. Seine Rechtfertigungsversuche nach dem Krieg waren wenig erfolgreich.