Malta

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    britische Kronkolonie (1800-1964) und Inselgruppe in der Straße von Sizilien zwischen westlichem und östlichem Mittelmeerbecken, bestehend aus der Hauptinsel Malta mit der Hauptstadt La Valetta, Gozo, Comino und zahlreichen Kleinstinseln, insgesamt 316 km² mit 279 000 Einwohnern (1939), beschränkte Selbstverwaltung unter einem britischen Gouverneur. Wegen der strategisch bedeutenden Lage relativ stark befestigt, galt Malta vielen britischen Militärs dennoch als nicht zu Verteidigen im Fall eines militärischen Konflikts mit Italien, und der britische Premier Chamberlain erwog sogar zeitweise, die Insel Italien gegen Zusicherung weiterer Neutralität zu überlassen. Doch die Royal Navy hielt an Malta fest als wichtiges Glied in der Kette der Stützpunkte von Gibraltar über Alexandria und Aden nach Indien.

    Italien versäumte nach dem Kriegseintritt (10.6.40) die Wegnahme des noch schwachen Malta, sodass trotz einiger Luftangriffe das militärische Potenzial der Insel, insbesondere die Luftstreitkräfte, erfolgreich ausgebaut werden konnte. Das machte sich bei Beginn des Kriegs in Libyen durch hohe Nachschubverluste Italiens bemerkbar, die deutsche Hilfe zu Lande (Afrikafeldzug) und in der Luft erforderlich machte. Das deutsche X. Fliegerkorps verlegte nach Süditalien und Sizilien und konnte zeitweise die Bedrohung durch Malta ausschalten. Erst als der Russlandfeldzug den Abzug starker Fliegerkräfte erzwang, gelang den Briten die weitere Aufrüstung von Malta durch neue Flugplätze, bombensichere Depots, Verlegung der 10. U-Flottille u.a. Von Juni bis November 41 gingen daraufhin über 20% des Nachschubs für die deutsch-italienischen Verbände in Nordafrika verloren, sodass Rommel die Cyrenaika wieder preisgeben musste.

    Die Luftflotte 2 (Kesselring) verlegte Ende 41 nach Süditalien mit dem Auftrag (Weisung Nr. 38 vom 2.12.41), die Luftherrschaft über dem Mittelmeer zu erkämpfen, den Schutz der Afrikageleite sicherzustellen und Malta zu neutralisieren. Das gelang durch pausenlose Luftangriffe z.T. mit Flächenbombardements gegen Flugplätze und Hafenanlagen, die den Rückzug aller britischer Überwassereinheiten von Malta unter hohen Verlusten erzwangen. Allein im April 42 wurden bei 9599 Einsätzen 6700 t Bomben auf Malta abgeworfen. Flankierend wurde von deutscher Seite für den Sommer 42 die Eroberung von Malta aus der Luft durch das Unternehmen "Herkules" in Aussicht genommen. Die Versorgung der Insel über See brach fast völlig zusammen, sodass im Juni 42 nur noch für 3 Wochen Brennstoff und Lebensmittel vorhanden waren. Der Gouverneur General William Dobbie erlitt einen Nervenzusammenbruch und wurde am 7.5.42 durch Lord Gort ersetzt. Immerhin gelang es der Royal Navy, unter ungeheuren Verlusten mit den Unternehmen "Vigorous" und "Pedestal" Malta im Juni und August 42 notdürftig zu versorgen und auch neue Jagdflugzeuge zu stationieren. Inzwischen hatte Hitler "Herkules" abgeblasen, da aufgrund der Erfolge Rommels (21.6.42 Einnahme Tobruks) der Sieg in Nordafrika auch ohne die riskante Operation für möglich gehalten wurde. Aufgrund der daher nötigen Zersplitterung der deutschen Kräfte aber erholte sich Malta erneut, sodass der Nachschub für die Panzerarmee Afrika entscheidend gestört wurde: Von August bis Oktober 42 gingen rund ein Drittel aller Transporte verloren, allein im Oktober 42 wurden mit 4 Tankern 66% des Treibstoffnachschubs vernichtet. El Alamein war somit auch die Quittung für die Fehleinschätzung von Malta durch die Achsenmächte. Mit der alliierten Landung auf Sizilien geriet Malta im Sommer 43 an den Rand des Kriegsgeschehens. Die Insel hatte in drei Jahren des Kampfes 3215-mal Luftalarm erlebt, 14 000 t Bomben waren niedergegangen, 1490 Zivilisten waren ums Leben gekommen - relativ wenige dank der guten Luftschutzmöglichkeiten in Höhlen u.a. - und 35 000 Wohnungen zerstört worden. Die deutsche Luftwaffe verlor insgesamt über 1000 Maschinen, die RAF bei der Verteidigung 568.